Eine Dopingprobe wird mit Fremd-Urin manipuliert. Kein Einzelfall, wie SPORT1-Redakteur Wolfgang Kleine sich erinnert.

Warum anstrengen, wenn es auch einfacher geht. Das dachte sich eine Doping-Kontrolleurin der Mannheimer Firma Serco und verzichtete auf die Tests der Handballerinnen nach dem Pokalspiel zwischen FSV Mainz und DJK/MJC Trier.

Die Dame blieb zu Hause und pinkelte einfach in die vorgesehenen acht Test-Ampullen. Danach hat sie die Proben an das Kölner Institut für Biochemie geschickt.

Doch dort fiel der Betrug auf. Die Ampullen enthielten alle den gleichen Urin, wie die Analytiker feststellten. Chef Professor Wilhelm Schänzer: "Das gab es so noch nicht."

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Doch, es gab schon mal etwas Ähnliches. Ich erinnere mich da gut an einen spektakulären Fall. Die Hauptakteure waren im Frühjahr 1992 die ehemalige Sprint-Weltmeisterin Katrin Krabbe, Grit Breuer und ihr Trainer Thomas Springstein.

Krabbe und Co. gerieten nach der WM 1991 schon unter Doping-Verdacht. Man konnte das aber noch nicht nachweisen. So wurden auch die Fahnder aktiv, als sich die Neubrandenburger Trainingsgruppe um Springstein in den entferntesten Winkel nach Südafrika verabschiedet hatte.

Ein Fahnder spürte die Sprinterinnen in Stellenbosch auf, bat sie zur Probe. Doch irgendwie konnten Krabbe und Co. den Kontrolleur und dessen Kollegin überlisten.

Sie übergaben ihm nach dem Toiletten-Besuch die gewünschten Urin-Proben, die dann später beim Dopinglabor von Prof. Manfred Donike in Köln analysiert wurden.

Aber der staunte nicht schlecht: Auch hier war der Urin aller Proben der verschiedenen Sprinterinnen identisch. Donike schwante Übles. Er glaubte als Wissenschaftler nicht an ein biologisches Wunder und kombinierte: Die negativen Proben mussten manipuliert sein.

Letztlich konnten Krabbe und Co. wegen eines Formfehlers damals nicht als Doping-Sünderinnen überführt werden.

Doch eins blieb: Mit seiner genauen Analyse hatte Donike die erste gesamtdeutsche Sport-Heldin vom Sockel gestoßen.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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