Ringer Dietrich gelang 1972 nach einem einfachen Trick ein sensationeller Sieg, erinnert sich SPORT1-Redakteur Wolfgang Kleine.

Ein Kran ist nicht immer ein Baugerät. Während die vielen Maschinen mehr oder weniger unbekannt bleiben, wurde ein Kran zur Legende: Wilfried Dietrich.

Die Fans nannten den am 2. Juni 1992 im südafrikanischen Durbanville verstorbenen deutschen Super-Ringer den "Kran von Schifferstadt". Was man von den heutigen deutschen Athleten, die bei der WM in Moskau eine Pleite nach der anderen erleben, nicht behaupten kann.

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Nachdem Dietrich 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom seine erfolgreichsten Wettkämpfe mit Gold im Freistil und Silber im klassischen Stil feierte, setzte der Superschwergewichtler 1972 in München den krönenden Abschluss einer sensationellen Karriere.

Es war der Kampf gegen den über 200 Kilo schweren US-Koloss Chris Taylor. Kaum einer gab dem halb so schweren Dietrich in diesem Kampf eine Chance. Doch der Deutsche hatte sich vorbereitet. Bei einem Treffen im Olympischen Dorf hatte der damals 38-Jährige seinen kommenden Gegner im klassischen Stil freundlich begrüßt und dabei herzlich umarmt.

"Das war für mich wichtig, weil ich so erfahren konnte, ob ich Chris mit beiden Armen umfassen und greifen konnte", erklärte Dietrich später, "ich stellte fest, dass es geht."

Und so taktierte der "Kran" in den ersten Minuten des Kampfes, versuchte den unbeweglichen Koloss zu greifen. Und dann kam die Sekunde, die allen Fans an der Matte und vor den TV-Schirmen in Erinnerung blieb: Dietrich umpackte Taylor, hob ihn hoch und legte den US-Amerikaner mit einem sensationellen Überwurf aufs Kreuz.

Die Zuschauer tobten auf den Tribünen, kaum einer war zu halten. Sie hatten einen der spektakulärsten Aktionen der Ringkampf-Geschichte erlebt.

Wilfried Dietrich wurde mit diesem gewonnenen Kampf zum Mythos, auch wenn es später nach einer ungerechtfertigten Disqualifikation in einem späteren Kampf nicht mehr zur Medaille reichte.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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