Anabolika-Doping wirkt sich so manches Mal nicht nur auf die Leistung aus, wie sich SPORT1-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert.

Flächendeckendes Doping und DDR - das ist ein leidiges Thema. Thomas Köhler hat als ehemals verantwortlicher Funktionär das jetzt mit angezogener Handbremse per Buch zugeben.

Andere hatten damit oft größere Probleme.

So geschah das bei der EM 1974 in Wien. Die jungen DDR-Schwimmerinnen, reichlich kompakt und anscheinend durch die Einnahme des Anabolikum Oral-Turinabol auch fast unschlagbar, verwunderten aber nicht nur durch ihre Schnelligkeit.

Ein kurioses Erlebnis hatte ich da beim internationalen Arena-Meeting 1985 in Bonn - also vor dem Fall der Mauer. Ich stand etwas entfernt in einer Ecke der Halle und beobachtete das Geschehen im Wettkampf-Pool. Doch was meine Aufmerksamkeit noch mehr in Anspruch nahm, waren die tiefen Stimmen hinter mir.

[image id="0c8366d5-65b3-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Ich dachte, da kommen gleich die Männer für den nächsten Wettbewerb aus den Kabinen. So drehte ich mich neugierig um, ob auch Ex-Superstar Michael Groß mit seiner etwas höheren Stimme dabei war.

Doch weit gefehlt: Hinter mir unterhielt sich eine Gruppe von jungen DDR-Schwimmerinnen. Meine Verwunderung war groß - oder eigentlich auch nicht. Dabei hätte ich das doch alles durch die Berichte von der EM 1974 in Wien wissen müssen.

Elf Jahre zuvor fielen bei den spärlichen Interviews mit den 14- bis 17-Jährigen DDR-Schwimmerinnen vor allem die Stimmlage auf. Während heute normale Mädchen in dem Alter sich oft durch höhere Schräbbelstimmen hervortun, war das bei den DDR-Schwimmgören in der Tonleiter mindestens eine Etage tiefer.

Die westdeutschen Journalisten wurden damals neugierig, weil sie das bei einer Europameisterin und Weltrekordlerin Christel Justen aus Aachen nicht gewöhnt waren. Sie schnappten sich den DDR-Cheftrainer und fragten investigativ und mit Verdachtsmomenten nach: "Warum haben Eure Mädchen bloß so tiefe Stimmen?"

Die Antwort des Cheftrainers kam prompt: "Wir sind doch hier zum Schwimmen und nicht zum Singen da."

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel