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Andre Lange beendete nach Gold und Silber bei den Olympischen Spielen 2010 seine Laufbahn © getty

Die Wahl zum Champion der Jahres ist für Andre Lange "die Würdigung meines Lebenswerkes". Neuner und Riesch kriegen keine Chance.

Faro - Als sich Deutschlands Sportelite vor Andre Lange verbeugte, bekam das "starke Bärchen" feuchte Augen.

"Ich bin überwältigt. Das ist die Würdigung meines Lebenswerkes", sagte der viermalige Bob-Olympiasieger nach seiner Wahl zum "Champion des Jahres 2010".

Die exklusive Runde von 68 deutschen Medaillengewinnern hatte nach einer gemeinsamen Erholungswoche in Portugal in der Mehrheit für den erfolgreichsten Bobfahrer der Geschichte gestimmt.

"So aufgeregt wie bei der Verkündung war ich noch nie in meinem Leben", sagte Lange, der im Februar seinen Rücktritt erklärt hatte.

"Wegen meiner korpulenten Figur"

Dabei hat der 37-Jährige wahrlich genug erlebt: Viermal Olympia-Gold, acht WM- und acht EM-Titel holte er, bei den Winterspielen von Vancouver war er 2010 sogar deutscher Fahnenträger.

"Für all diese Erfolge war ich immer selbst verantwortlich, aber das hier ist die Anerkennung meiner Kollegen. Das macht mich besonders stolz", sagte der 100-Kilo-Mann gerührt.

Langes Vorgängerin Steffi Nerius hob in ihrer Laudatio den Ehrgeiz und Teamgeist der Bob-Ikone hervor. "Er ist wirklich ein starkes Bärchen", sagte die Speerwurf-Weltmeisterin und spielte auf den ewigen Spitznamen des Preisträgers an: Zu Beginn seiner Karriere war Lange zunächst beim Rodeln unterwegs, wechselte erst auf Anraten seines Trainers "wegen meiner korpulenten Figur" in den Bob.

Ein weiser Schritt mit Nebenwirkung: Langes Kosename "Bärchen" steht bis heute.

Siegen Tage Pool und Strand

Die von "Mister Sportschau" Heribert Fassbender und Sky-Moderator Sebastian Hellmann präsentierte Wahl war der Abschluss einer ungewöhnlichen Woche.

Sieben Tage lang hatten sich Deutschlands Top-Athleten im Robinson Club Quinta da Ria eine Auszeit gegönnt 291399(Bilder).

Einzige Devise: Pool und Strand statt Trainingslager und Laktattests. "Ich habe mich zurückgelehnt und Sonne an meinen blassen Körper gelassen", sagte Lange, der nach Bekanntgabe des Ergebnisses um 23.38 Uhr von seinen Kollegen lautstark gefeiert wurde: "Aber jetzt machen wir einen drauf."

Neuner und Riesch nicht nominiert

Zuvor hatten 3800 von der Stiftung Deutsche Sporthilfe geförderte Athleten fünf Kandidaten für die Endausscheidung vorgeschlagen.

Neben Lange waren nominiert: Die blinde Paralympics-Siegerin Verena Bentele (Biathlon und Langlauf), Wassersprung-Europameister Patrick Hausding, Kanu-Weltmeister Max Hoff und Weitsprung-Europameister Christian Reif.

Namen wie den von Biathletin Magdalena Neuner oder Skistar Maria Riesch suchte man dagegen vergeblich: Für die Wahl nominiert werden kann nur, wer bei dem Event auch dabei ist.

Große Fahrt mit der sibirischen Eisenbahn

Für seine Wahl erhält Lange einen Smart und eine Traumreise. Das ungewöhnliche Ziel steht bereits fest: "Ich will mit der sibirischen Eisenbahn quer durch den Kontinent bis an den Pazifik fahren."

Außerdem erhält jeder Sieger eine Dauer-Einladung zum "Champion des Jahres" - langweilig wird Andre Lange nach dem Karriereende also nicht.

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