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Peter Joppich kann nicht überzeugen
Peter Joppich wurde bei Olympia in Peking Fünfter im Florett © getty

Nach dem Rekord-Gold in Paris will der Florettfechter 2012 seinen großen Makel tilgen. Kleibrink gerät in die Kritik.

Paris - Nach dem historischen Triumph war für Peter Joppich an Schlaf nicht zu denken.

"Ich bin erst so gegen halb vier eingeschlafen. Ich war körperlich total fertig, aber mental zu aufgewühlt, um irgendwie zur Ruhe zu kommen", sagte der Koblenzer.

Bei der WM in Paris wurde Joppich als erster Deutscher zum vierten Mal Einzelweltmeister: "Realisiert habe ich das schon, aber verarbeitet sicher noch nicht. Es ist schön, dass der Druck und die eigene Erwartungshaltung jetzt abgefallen sind."

Den obligatorischen Sektempfang im Hotel und ein gemeinsames Essen mit der Mannschaft und Freunden brachte er noch hinter sich, doch danach war Peter Joppich mit den Kräften am Ende.

Keine Zeit für Ruhe

Und dabei ging die Tour am nächsten Morgen ungebremst weiter: Interviews, Autogramme, Glückwünsche - zur Ruhe kam der 27-Jährige auch am Tag danach nicht.

Schon unmittelbar nach seinem großen Erfolg hatte Joppich bereits das neue Ziel ausgegeben.

"Diese verdammte Einzelmedaille bei Olympia fehlt mir noch. Ich hoffe, dass ich in London die Chance dazu bekomme", sagte er: "Das ist etwas, was man gerne hätte. Aber trotzdem würde ich keinen meiner WM-Titel dafür eintauschen."

Perfekte Kombination

Das wäre in der Form von Paris wohl auch gar nicht nötig, zu stark zeigte sich der Koblenzer bei seinem Auftritt im Grand Palais.

Fechterisch in Bestform, körperlich topfit und wie immer cool wie eine Eisbox - an diesem Tag eine nicht zu bezwingende Kombination.

Das mit dem olympischem Edelmetall hat für den BWL-Studenten in seiner bisher so erfolgreichen Karriere trotzdem noch nicht geklappt. 2004 in Athen wurde er Sechster, vier Jahre später in Peking reichte es "nur" zu Platz fünf.

Dank an den Doc

Umso beeindruckender liest sich dagegen seine Erfolgsliste bei Weltmeisterschaften: Zum vierten Mal in Folge holte er eine Einzelmedaille.

2003, 2006, 2007 sowie eben am vergangenen Sonntag stand er ganz oben auf dem Podest und überholte damit die dreimalige WM-Siegerin Cornelia Hanisch. Hinzu kommt noch der Mannschaftstitel von 2002.

Nur wenige Wochen zuvor hatte Joppichs WM-Start an einem seidenen Faden gehangen. Im Training war eine alte Schulterverletzung wieder aufgebrochen, tägliche stundenlange Arztbesuche waren die Folge.

"Ich kann meinem Arzt nur danken, dass er das wieder hinbekommen hat", sagte Joppich in der Stunde seines Erfolges.

Schon kurz vor dem Aus

Die dadurch erzwungene Untätigkeit in der WM-Vorbereitung zehrte an den Nerven.

Während seine Mannschaftskollegen in der Halle schufteten, war für Joppich Geduld angesagt: "Wenn man sieht, wie es bei den anderen immer weiter vorwärts geht, und man selbst fast nichts tun kann, ist das schon blöd."

In Paris stand Joppich im Achtelfinale gegen den Ägypter Alaa El Din El Sayeed vor dem Aus, rettete sich aber dank seiner berühmten Nervenstärke ("Der Kopf entscheidet bei solchen Höhepunkten") in die nächste Runde.

Lektion für den Lokalmatador

Dort erteilte er dann Lokalmatador Victor Sintes vor dessen Publikum in nur 2:17 Minuten beim 15:4 eine bittere Lektion - und wurde nach dieser Gala fortan von den französischen Zuschauern lautstark unterstützt.

So konnte auch der chinesische Weltranglisten-Erste Sheng Lei im Finale nichts gegen den Deutschen ausrichten.

Kritik an Kleibrink

Viel hatte sich auch Benjamin Kleibrink vorgenommen, doch nach dem 13:15 gegen Lei in der zweiten Runde stand der Olympiasieger von Peking wie bei jedem internationalen Großereignis seitdem auch in Paris mit leeren Händen da.

"Einen Vorwurf kann ich mir eigentlich nicht machen. Aus meiner Sicht wäre auch ein Sieg drin gewesen", sagte Kleibrink.

Bundestrainer Ulrich Schreck sah es weniger locker: "Das ist schon eine lange Durststrecke. Vielleicht habe ich ihm eine zu lange Schonfrist gegeben."

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