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Britta Heidemann (l.) hat bei Olympia 2004 mit der Degenmannschaft Silber gewonnen © imago

Die deutschen Degenfechterinnen bauen ihre Serie aus, verpassen aber den Gold-Coup. Im Finale ist Rumänien eine Nummer zu groß.

Paris - Olympiasiegerin Britta Heidemann stand tieftraurig neben der Planche, Europameisterin Imke Duplitzer verschwand weinend in den Katakomben:

Als es für die deutschen Degenfechterinnen 20 Jahre nach dem letzten Titelgewinn bei der Fecht-WM in Paris wieder nicht zu Gold im Teamwettbewerb reichte, kannte die Enttäuschung keine Grenzen.

Wenige Sekunden zuvor hatte Rumänien das Finale mit 35:26 für sich entschieden und damit alle Hoffnungen auf das lang ersehnte Gold zunichte gemacht.

"Schade, dass es nicht geklappt hat. Wir waren dem Sieg so nah. Aber wir fahren wenigstens nicht ohne Medaille nach Hause", sagte Heidemann.

"Den Titel sparen wir uns für eine noch bessere Gelegenheit auf", ergänzte Sportdirektor Manfred Kaspar, den Blick bereits auf zukünftige Aufgaben gerichtet. Zuletzt stand 1990 in Lyon ein deutsches Damenteam bei einer WM ganz oben auf dem Treppchen.

Duplitzer hat genug Silber

Viermal hatten deutsche Teams es in einem WM-Finale seitdem erfolglos versucht, und auch beim fünften Anlauf klappte es nicht dem ganz großen Wurf.

Immerhin setzten die Deutschen ihre beeindruckende WM-Bilanz fort. Zum siebten Mal in Folge holten sie ein Medaille. Doch das Quartett mit den Heidenheimerinnen Monika Sozanska und Ricarda Multerer musste auch in Paris mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen.

"Hoffentlich gibt es nicht wieder Silber heraus, davon habe ich schon genug", hatte Duplitzer, schon mehrfach mit Silber dekoriert, allerdings schon nach dem gewonnen Halbfinalgefecht gegen China gesagt, zu diesem Zeitpunkt aber noch forsch angekündigt: "Wir sind hier noch nicht fertig."

Zuletzt fünfmal Bronze

Dabei hatte die 35-Jährige schon das Ende des emotional aufwühlenden Halbfinales nicht mehr mit ansehen können.

Während Olympiasiegerin Heidemann im letzten Duell den 34:28-Erfolg perfekt machte, hatte die Bonnerin die Mannschaftsbox längst verlassen und kehrte erst drei Sekunden vor Ende wieder, als den Deutschen der erste Finaleinzug seit 2003 nicht mehr zu nehmen gewesen war.

Zuvor hatte es bei den letzten fünf Weltmeisterschaften jeweils Bronze gegeben.

Danach hatten die Degenfechterinnen schon einen Vorgeschmack auf die Siegesfeier bekommen, der nach der Finalniederlage umso bitterer schmeckte.

Welle mit französischen Zuschauern

Heidemann wurde von allen ihren auf die Planche stürmenden Teamkollegen fast erdrückt, danach machten sie gemeinsam mit den französischen Zuschauern im Grand Palais die Welle.

Trotz des verpassten WM-Titels hatte Sportdirektor Manfred Kaspar schon vor dem Finale ein positives Fazit der Titelkämpfe gezogen.

"Jetzt ist es auch für uns ein gute WM", sagte Kaspar, der den letzten deutschen WM-Sieg noch als Damenbundestrainer hautnah miterlebt hatte.

Dramatisches Viertelfinale

Denn nach der Silbermedaille von Säbelfechter Nicolas Limbach und dem vierten WM-Titel von Florettfechter Peter Joppich musste der Deutsche Fechter-Bund (DFeB) seit dem Auftaktwochenende auf die dritte Medaille warten.

Im Einzel hatten die favorisierten Degenfechterinnen kein Edelmetall holen können, sondern waren in der Runde der letzten 32 überraschend ausgeschieden.

Und auch im Mannschaftswettbewerb wären die Deutschen beinahe ganz leer ausgegangen. Im Viertelfinale gegen Russland hatte Duplitzer nach einem dramatischen Gefecht erst im sudden death den entscheidenden Treffer zum 28:27 setzen können.

Beim Auftaktgefecht war Kanada beim 45:28 kein Stolperstein gewesen. Am Samstag enden die Titelkämpfe in der französischen Hauptstadt mit dem Mannschaftswettbewerb der Degenherren.

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