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Von links nach rechts: Heidemann, Sozanska, Multerer, Duplitzer © imago

Das verpasste WM-Gold der Degenfechterinnen trifft besonders Imke Duplitzer hart, die sich in der Verantwortung sieht.

Paris - Quälend lang dauerte die Siegerehrung für Imke Duplitzer.

Kein Lachen, keine Freude war bei der Degen-Europameisterin über Silber im Mannschaftswettbewerb zu sehen.

Mit gesenkten Kopf ließ sie die Zeremonie bei der Fecht-WM in Paris über sich ergehen - zu tief saß der Frust über das erneute Verpassen des so lange ersehnten Weltmeistertitels.

Nach dem Ende der Folter schlich Duplitzer dann auch als Erste schnurstracks in Richtung Call-Room. Die verflixte Silbermedaille hing dabei schon längst nicht mehr um ihren Hals, sie baumelte an der Hand.

"Nicht mehr über Silber freuen"

"Ich kann mich einfach nicht mehr über Silber freuen", sagte die 35-Jährige, die direkt nach der Niederlage gegen Rumänien bittere Tränen der Enttäuschung vergossen hatte.

Denn dies bedeutete auch die Fortsetzung ihrer fast schon unheimlichen "Silberserie".

Bereits zum fünften Mal landete sie bei einer WM mit der Mannschaft auf dem zweiten Platz. Hinzu kommen zweite Plätze bei Olympia 2004 in Athen und im Einzel bei der WM 2002.

Duplitzer übernimmt die Verantwortung

Knapp war Duplitzer mit dem deutschen Team mit Olympiasiegerin Britta Heidemann, Monika Sozanska und Ricarda Multerer dran gewesen am lang ersehnten Triumph.

Bevor Duplitzer zum letzten Gefecht auf die Planche trat, stand es nach engen Duellen 16:17, doch die Bonnerin musste im entscheidenden Duell gegen Ana Branza ein 10:18 hinnehmen. Aus der Traum von Gold.

"Ich muss die Verantwortung übernehmen", sagte Duplitzer, doch sowohl von Bundestrainer Piotr Sozanski als auch von ihren Teamkolleginnen gab es in der Stunde des Misserfolgs ein negatives Wort. "Man kann ihr keinen Vorwurf machen", sagte Sozanski.

Immerhin hält die Serie

Denn im Viertelfinale war sie es, die der deutschen Mannschaft in der entscheidenden Situation das Weiterkommen gesichert hatte.

Im Sudden Death gegen Russland hatte die sechsmalige deutsche Meisterin den entscheidenden Treffer gesetzt und so überhaupt den Weg zu Silber erst ermöglicht.

Und so waren die Deutschen nach der ersten Enttäuschung zumindest glücklich darüber, dass immerhin die beeindruckende Medaillenserie bei Weltmeisterschaften fortgesetzt wurde. Seit 2003 standen die deutschen Degendamen immer auf dem Podest.

Enttäuscht und erleichtert

"Natürlich hätte ich gerne auch im vierten Jahr in Folge bei einem Großereignis hintereinander Gold geholt", sagte Olympiasiegerin Heidemann, "deshalb bin ich schon enttäuscht. Aber ich bin auch sehr erleichtert, dass es überhaupt wieder zu einer Medaille gereicht hat."

Und Sozanska, die nach dem Finale "teils aus Glück, teils aus Enttäuschung" ebenfalls ein Tränchen vergossen hatte, ergänzte: "Wir haben jetzt konstant gute Leistungen gebracht."

Doch auch das große Ziel Olympia 2012 in London schwebte bei allen im Hinterkopf mit.

"Hat vielleicht etwas Gutes"

"Die Niederlage hat vielleicht auch etwas Gutes, mit Gold wären wir vielleicht schon zu satt", sagte Piotr Sozanski.

Bei aller Enttäuschung hatten die deutschen Damen immerhin auch noch Muße, ein bisschen zu feiern.

Die französische Ausnahmefechterin Laura Flessel-Colovic hatte zum Abschluss alle Fechterinnen via Facebook und SMS zur Party in einen extra gemieteten Club geladen.

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