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Professor Wilhelm Schänzer leitet das Institut für Biochemie der Sporthochschule in Köln © getty

Ein neues Gen-Doping-Präparat bringt Muskeln zum "Denken" und macht aus unsportlichen Nagern "Mucki-Mäuse".

Bonn - Professor Wilhelm Schänzer hat vor einem neuen "Wundermittel" gewarnt, das bereits auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA steht und laut Forschern möglicherweise bei Olympia in Peking zum Einsatz kam.

"Es wurde von Forschern an Mäusen getestet und hat deren Laufleistung bis zu 44 Prozent erhöht", erklärte der Leiter des Instituts für Biochemie an der Kölner Sporthochschule bei einem Workshop der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA in Bonn.

Die Forscher um Ronald Evans vom Salk Institute im kalifornischen La Jolla stellten die neue Droge in der Online-Ausgabe der Zeitschrift "Cell" vor. Angesichts des Missbrauchsrisikos durch Athleten, die um jeden Preis gewinnen wollten, hätten sie mit der WADA Kontakt aufgenommen.

Nachweis noch nicht möglich

Man arbeite derzeit an einem Test, der bald zur Verfügung stehen solle. Damit ließe sich noch im Nachhinein nachweisen, ob Olympia-Teilnehmer die Substanzen verwendet hätten.

Das Gendopingmittel, das aus unsportlichen Nagern offenbar "Mucki-Mäuse" macht, wurde nach bisherigen Erkenntnissen noch nicht an Menschen getestet und soll laut Schänzer "extrem teuer" sein.

Neben AICAR (Aminoimidazol-Carboxamid-Ribonukleosid) fanden Forscher noch ein weiteres Präparat namens GW1516, das reales Training dramatisch verstärken soll: Um bis zu 70 Prozent mehr Leistung als unbehandelte Mäuse zeigten mit GW1516 gefütterte Tiere auf dem Laufband.

"Denkende" Muskeln

Die Forscher um Evans glauben, AICAR lasse die Muskeln "denken, sie hätten täglich trainiert". Mit einer Pille ließen sich dieselben Effekte erzielen wie mit Konditionstraining. Die Substanzen vermehrten mit der Zahl der Mitochondrien die Kraftwerke in den Zellen und beeinflussten die Fettverbrennung sowie die Nährstoffzufuhr über die Blutgefäße.

Evans warnte zugleich vor noch unerforschten Nebenwirkungen - die Forscher hätten nur die Wirkung auf die Muskulatur untersucht. Es sei wahrscheinlich, dass AICAR und GW1516 auch Auswirkungen auf Herz und Lunge hätten.

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