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Pawel Leyk kam durch eine Wildcard zur Teilnahme an den German Masters © imago

Snooker-Talent Pawel Leyk hat die Konkurrenz bei seinem ersten großen Auftritt verblüfft - und will weiter von sich hören lassen.

Berlin - Pawel Leyk wischt verlegen über das Queue.

Seine Hände sind schweißnass, dabei ist die Halle angenehm kühl. Die Augen der 600 Zuschauer im Berliner Tempodrom sind auf ihn gerichtet.

Die Stille am Snooker-Tisch wird nur durch das Räuspern im Publikum und das Klacken der Kugeln unterbrochen. Pawel Leyk setzt sein Queue an - er zittert. In seinem Rücken spürt er den stechenden Blick des Gegners.

Es war der erste Auftritt des 13 Jahre alten Ausnahmetalents in der Weltspitze. Trotz seiner Nervosität verblüffte er alle Experten.

Wenig gemein mit den Stars

Dabei ist er noch ein Kind. Er wirkt schlaksig, ist noch mitten im Wachstum.

Den Stimmbruch hat er zwar hinter sich gelassen. Mit den Stars der Snooker-Szene hat er darüber hinaus jedoch wenig gemein.

Trotzdem stand Leyk bei den German Masters mit dem WM-Halbfinalisten Anthony Hamilton an einem Tisch und brachte den 39-Jährigen gehörig ins Schwitzen (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1).

Playstation? "Längst verkauft!"

Dafür hat er hart gearbeitet: Die Schulfreunde in der katholischen St.-Franziskus-Schule in Schöneberg sieht er kaum noch. Seine Playstation? "Längst verkauft!"

Die E-Gitarre verstaubt in der Ecke seines Kinderzimmers. 15 rote und sechs bunte Kugeln bestimmen Leyks Leben.

"Pawel lebt und atmet Snooker", sagt Trainer Thomas Schleske, der das Talent seit vier Jahren betreut.

"Erst müssen die Hausaufgaben fertig sein"

Wenn der Coach den Raum des Berliner Snooker Clubs betritt, ist sein Schüler schon da und hat die Kugeln aufgebaut. Leyk hat es nicht weit, nur wenige Meter die Straße hinunter.

Die läuft er jeden Tag, wenn ihn seine Mutter lässt. "Erst müssen die Hausaufgaben fertig sein, Jungsche", ruft Helena Leyk aus der Küche.

"Sie achtet darauf", sagt Pawel und gibt sich verständnisvoll: "Die Schule ist wichtig, aber am liebsten würde ich schon um sechs Uhr morgens in den Klub gehen."

Das Mutterland im Blick

Die Eltern Helena und Edward, beide in einem kleinen polnischen Dorf aufgewachsen, legen Wert auf Pawels schulische Ausbildung.

Er soll in ein paar Jahren sein Abitur machen. Das sieht der Sohnemann anders. "Ich will Snooker-Profi werden", sagt er selbstbewusst, packt sein Queue und läuft zum Training.

Heute arbeitet er an seinem Lochspiel - unter Experten "Potting" genannt. "Ich bin unheimlich ehrgeizig", sagt Leyk und holt die roten Kugeln aus den Taschen.

"Niederlagen deprimieren mich." Daher will Leyk im Sommer ins Mutterland seines Sports. An einer der zahlreichen Snooker-Akademien in England erhofft er sich neue Anstöße für das tägliche Training.

Ein gewurmter Sheriff

Derzeit kann er nur zeitweise mit den großen Stars mitspielen. Einen Frame, wie ein Satz im Snooker heißt, knüpfte er Anthony Hamilton im Berliner Tempodrom ab.

Dabei hatte sich Leyk extra vorher noch die Auftritte des routinierten Gegners auf Youtube angesehen - um seine Erwartungen für das Duell zu dämpfen: "Damit ich hinterher nicht zu enttäuscht bin, dass ich fünf zu null verloren habe."

Stattdessen schaffte er mit dem gestohlenen Frame eine kleine Sensation, die den Engländer sichtlich wurmte. Unwirsch schickte er seinen jungen Kontrahenten vom Tisch.

Leyks pure Anwesenheit stört den "Sheriff of Pottingham", während er an der Reihe ist.

Vergleich mit einer Legende

Erst nach seinem Sieg konnte Hamilton das große Talent des jungen Deutschen anerkennen. "Er hat mich mit dem ehemaligen Weltmeister Steve Davis verglichen", sagt Leyk stolz.

Irgendwann will der Youngster wirklich in die Fußstapfen der Snooker-Legende treten. Einen eigenen Spitznamen hat er bereits - wenngleich einen, der zu einem 13-Jährigen noch nicht so ganz passen mag.

Als Pawel "The Polish Power" Leyk hofft er, als erster Deutscher an der Profi-WM im altehrwürdigen Crucible Theater in Sheffield teilzunehmen.

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