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Viagra ist ei Medikament gegen erektile Dysfunktion © getty

Das Potenzmittel taucht offenbar immer häufiger in Dopingproben von Sportlern auf. Machen die blauen Pillen wirklich schneller?

Von Manuel Krons

München - Im Mai sorgte die Potenzpille Viagra plötzlich auch abseits von Schlafzimmerproblemen für Schlagzeilen:

Im Fahrzeug des Vaters von Gerolsteiner-Radprofi Andrea Moletta (Alle Ergebnisse) wurden bei einer Razzia gleich 82 Einheiten des Medikaments entdeckt. Versteckt in Zahnpasta-Tuben und offenbar nicht für den Eigenbedarf.

Das Mittel gegen Erektionsstörungen hat seinen Weg in den Leistungssport inzwischen ganz offensichtlich gefunden. "Wir prüfen, ob es auf die Dopingliste kommt", erklärte John Fahey, der Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), zuletzt.

In Dopingproben tauche immer häufiger der in Viagra enthaltende Wirkstoff Sildenafil auf", sagte Christiane Ayotte vom Dopinglabor in Montreal der "Welt".

Doch inwieweit können die blauen Pillen tatsächlich zu einer Leistungsverbesserung beitragen?

"Wir müssen abwarten"

Bei Anstrengungen in der Höhe wurde bei wissenschaftlichen Studien mit Bergsteigern und Radfahrern eine gesteigerte Leistungsfähigkeit von bis zu 45 Prozent festgestellt. Viagra sorgte unter diesen Bedingungen nachweislich für eine verbesserte Sauerstoffaufnahme.

Ob die rautenförmige Arznei auch zum Doping in der Ebene taugt, ist allerdings noch fraglich: "Dazu gibt es keine Daten. Die bisherigen Untersuchungen beziehen sich allesamt auf körperliche Aktivitäten in der Höhe", erklärt Dopingforscher Prof. Wilhelm Schänzer gegenüber Sport1.de.

"Um Daten für einen Effekt auf Meereshöhe zu bekommen, hat die WADA gerade eine Studie in Auftrag gegeben. Wir müssen abwarten", so der Biochemiker der Sporthochschule Köln.

"Alle Athleten haben auch Viagra genommen"

Im Februar 2009 sollen die Abschlussberichte vorliegen. Rechtzeitig, um vor den Olympischen Winterspielen in Vancouver noch reagieren zu können und Sildenafil auf die Dopingliste zu nehmen.

Die spärliche Faktenlage hält viele Sportler (Alle Sport-News) offenbar nicht davon ab, das Mittel dennoch in den persönlichen Doping-Cocktail zu integrieren.

Im Rahmen des "Balco-Skandals", der insbesondere die Leichtathletik-Szene in den USA erschütterte, erklärte der Labor-Chef Victor Conte: "Alle meine Athleten haben auch Viagra genommen."

Auch negative Effekte

Dopingforscher Prof. Schänzer vermutet einen einfachen Grund für die gesteigerte Beliebtheit des Potenzmittels im Profisport:

"Vielleicht ist die Meinung, dass eine allgemeine Durchblutungsförderung letztendlich auch die Leistung verbessert, dabei der Hintergrund. Der Gedanke: Mehr Potenz, mehr Leistung."

Allerdings weist er auch auf mögliche negative Effekte des "Viagra-Dopings" hin: Ein stark durchbluteter Verdauungstrakt sei im Wettkampf sicherlich kein Vorteil, gibt Schänzer zu bedenken.

"Es taucht sporadisch auf"

Besonders häufig stößt er bei seinen Proben noch nicht auf den 1998 eingeführten Wirkstoff. "Systematisch haben wir unsere Proben noch nicht untersucht, es taucht nach meiner Beobachtung bei uns sporadisch auf", sagt Schänzer und widerspricht damit den Beobachtungen seiner Kollegin aus Montreal.

Viagra sei ein immerhin ein Mittel, dass ungefähr zwei Prozent der Weltbevölkerung einnähmen.

Radprofi Andrea Moletta und sein Vater zählen offenbar dazu.

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