vergrößernverkleinern
Heide Ecker-Rosendahl gewann 1972 in München zwei olympische Goldmedaillen © imago

Heide Ecker-Rosendahl zeigt sich nach der Verleihung der Sportpyramide gerührt. Ein Staatsoberhaupt outet sich als großer Fan.

Berlin - Zweimal atmete sie tief durch, dann waren die Freudentränen doch noch rechtzeitig verdrängt.

Gefasst betrat Heide Ecker-Rosendahl die Bühne des Festsaals im Berliner Hotel Adlon, als die neue Gewinnerin der Goldenen Sportpyramide verkündet wurde (Bericht).

Erstmals hatte die Stiftung Deutsche Sporthilfe das Geheimnis über den Preisträger bis zuletzt gehütet und damit auch unter den Sportlern die Spannung hoch gehalten. (Machen Sie es wie SPORT1 und Heide Ecker-Rosendahl: Unterstützen Sie München 2018)

"Das ist eine ganz besondere Auszeichnung für mich", sagte Ecker-Rosendahl, als sich der Applaus der etwa 300 Gäste aus Politik, Medien, Wirtschaft und Sport etwas legte.

Das "Gesicht der Spiele" in München

1972 bei Olympia in München sprang und lief die damals 25-Jährige in die Herzen der deutschen Sportfans.

Das "Gesicht der Spiele" holte zunächst Gold im Weitsprung und sicherte anschließend der deutschen Sprintstaffel mit einem fulminanten Spurt Gold in der 4x100-m-Staffel im Prestige-Duell mit Top-Läuferin Renate Stecher aus der DDR.

Mit Ringelsocken zu Gold

"Diese kesse Nickelbrille, diese rot-weißen Ringelsocken, diese wippende Konzentration vor dem Start - das war etwas ganz Besonderes", beschrieb Markus Schächter in seiner einfühlsamen Laudatio das Phänomen Heide Rosendahl.

Für den Intendanten des ZDF, zugleich Vorsitzender des Stiftungsrates der Sporthilfe, hatten die TV-Bilder vom Schlussspurt in München einen unvergessenen Reiz: "Ein Finale furioso. Diese atemberaubenden zehn Sekunden boten ein Duell, dass es so nie mehr geben wird."

Ein Staatsoberhaupt als Fan

Bundespräsident Christian Wulff erinnerte ebenfalls an den historischen Sprint von München. "Die Frage bleibt, wie die beste Weitspringerin der Welt die schnellste Frau der Welt auf Distanz halten konnte", sagte Wulff mit einem Schmunzeln.

Das Staatsoberhaupt verriet, dass er bereits in jungen Jahren ein glühender Anhänger der Preisträgerin gewesen sei. "Heide Rosendahl hatte immer ihre eigene Meinung. Das habe ich schon als Kind mitbekommen."

Engagement nach der aktiven Laufbahn

ZDF-Chef Schächter lobte, dass Ecker-Rosendahl nie den Boden unter den Füßen verloren hätte. Das Leben der einstigen Top-Athletin sei nicht auf einen Sprung oder auf einen Sprint zu reduzieren.

Vielmehr sei die Ausnahmeathletin dem Sport auch nach ihrer aktiven Laufbahn in verschiedenen Funktionen treu geblieben und hätte verdient den Preis für ihr Lebenswerk gewonnen.

Die ausgebildete Innenarchitektin war Trainerin und Funktionärin und gehört seit einigen Jahren der Steiner-Komission des Deutschen Olympischen-Sportbundes (DOSB), die Doping-belastete Trainer im deutschen Sport überprüft.

Ärger um Berufungen

Zuvor war Ecker-Rosendahl mit 20 weiteren Persönlichkeiten in die "Hall of Fame des deutschen Sports" berufen worden. Deren Berufung hatte wegen der Nicht-Berücksichtigung einiger Athleten für Diskussionen gesorgt.

So fiel das ostdeutsche Radsport-Idol Gustav-Adolf "Täve" Schur durch. Schur wurde von der Kandidatenliste gestrichen, nachdem der Verein für Dopingopfer-Hilfe gegen seine Aufnahme protestiert hatte.

Der einstige Radrennfahrer sei eine "zentrale Propagandafigur des kriminellen DDR-Sports" gewesen, hieß es.

Klatten mit unglücklicher Formulierung

Michael Ilgner, Sporthilfe-Vorstandsvorsitzender, wies auf die Problematik hin, die eine Bewertung der Sportlerlaufbahnen aus beiden Teilen Deutschlands mit sich bringe.

"Wir wollen die Besten ehren. Es geht auch darum, die deutsche Geschichte angemessen zu betrachten." Auch Werner E. Klatten, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stiftung, verteidigte die Nominierung. "Eine der wenigen Möglichkeiten, die wir haben, mit dem Problem gerecht umzugehen, sind Diskussionen", sagte Klatten.

Der Aufsichtsratschef griff dabei allerdings zu einer unglücklichen Formulierung, als er davon sprach, dass die Sportler der BRD auf der richtigen Seite Deutschlands aufgewachsen seien.

Lob für Stechers Aufnahme

Wulff lobte indes die Entscheidung der Stiftung. "Herr Ilgner und Herr Klatten sind bestimmt nicht den leichtesten Weg gegangen sind. Ich finde es wunderbar, dass Renate Stecher in die Hall of Fame aufgenommen wurde", sagte der CDU-Politiker.

Für viele Kritiker war die Sprinterin aus dem Osten ähnlich wie Schur ein Aushängeschild des kriminellen DDR-Sports. "Ich finde die Preisverleihung richtig und habe es genossen, dabei zu sein. Mehr möchte ich dazu allerdings nicht sagen", sagte Stecher.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel