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Jörg Fiedler war mit dem Team bereits Olympiadritter in Athen © getty

Nach 14 Jahren gelingt dem Degen-Fechter bei der EM der Durchbruch. Fiedler hat bereits das nächste Großereignis im Blick.

Sheffield - 14 Jahre musste Jörg Fiedler auf eine Einzelmedaille bei einem Großereignis warten, doch selbst nach dem EM-Triumph verlor der Leipziger sein Ziel Olympia nicht aus den Augen: Nach der obligatorischen Dopingprobe wartete der Leipziger vor der Wettkampfstätte in Sheffield auf den Transfer zum Hotel - und rechnete auf seinem Handy eigenhändig seinen Platz auf der Qualifikationsliste aus.

"Das ist eben extrem wichtig. Deshalb fechten wir seit April. Ich wollte wissen, wo ich stehe", sagte Fiedler: "Vor der EM war das das größere Anliegen. Jetzt ist natürlich der Titel wichtiger."

Auch die Siegesfeier am Freitagabend fiel nur klein aus. Gemeinsam mit einigen Teamkollegen genehmigte sich der 33-Jährige in der Hotelbar noch ein Bier.

Applaus fast unangenehm

Der Applaus beim Betreten der Lobby und das anschließende Anstoßen auf seinen Erfolg - sie waren dem introvertierten Fechter fast unangenehm.

Immer wieder hatte er in seiner Laufbahn Medaillen mit dem Team gewonnen: Olympiabronze in Athen, zweimal WM-Silber in Leipzig und Seoul - doch der große Durchbruch im Einzel gelang ihm nie.

Bis zum Freitagabend in Sheffield, als er seine Kritiker verstummen ließ.

Nervenstärke war da

Auch dass es die Auslosung alles andere als gut mit ihm meinte, störte ihn nicht.

Mit dem Tauberbischofsheimer Sven Schmid und dem Franzosen Jean-Michel Lucenay siegte er unter anderem gegen die beiden Titelträger der vergangenen Jahre.

Die Nervenstärke, die ihm viele abgesprochen hatten - an diesem Tag war sie da.

Vereinswechsel auch verantworlich für Erfolg

"Es gibt eine Menge Leute, die einen unterstützen. Es gibt aber auch eine Menge Leute, die gedacht haben, mit dem Charakter wird das nichts", erklärte Fiedler, der auch seinen überraschenden Vereinswechsel zurück zum FC Leipzig für seinen Erfolg verantwortlich machte.

Denn bei der WM in Paris hatte Fiedler abseits der Planche für Aufregung gesorgt.

Während der Titelkämpfe hatte er den Abschied von seinem langjährigen Verein Tauberbischofsheim bekannt gegeben. Ohne dass die Verantwortlichen in Tauberbischofsheim etwas davon wussten.

"Kopf frei bekommen"

Fiedler wollte noch einmal "den Kopf frei bekommen" für die womöglich letzte Saison seiner Karriere. Offenbar hat es gewirkt.

"Es ist ein bisschen lustig, dass es gerade beim ersten Großereignis danach mit der Goldmedaille geklappt hat", sagte Fiedler:

"Ich bin keiner neuer Fechter. Es ist nur ein Mosaikstein, aber ich wollte ein bisschen Abstand und ruhiger arbeiten. Das ist eine Bestätigung, dass es der richtige Schritt war."

Großer Schritt Richtung London

Fiedler trainiert sowohl in Leipzig (unter anderem mit seinem Jugendtrainer Hans Wernfried Frommholt) als auch am Olympiastützpunkt in Tauberbischofsheim.

Die Spiele in Peking hatte Fiedler nur um Haaresbreite verpasst.

Diesmal stehen die Chancen jedoch gut. Mit dem Sieg bei der EM hat er einen "großen Schritt" in Richtung London gemacht. Fiedlers Rechnung dürfte aufgehen.

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