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Überglücklich: Olympiasiegerin Nicole Reinhardt mit ihrer Goldmedaille © getty

Die deutsche Kanu-Flotte erlebt ein Wechselbad der Gefühle, feiert am Ende aber einen grandiosen zweiten Finaltag bei der WM.

Szeged - Nicole Reinhardt sprang strahlend aufs Siegerpodest, der Männer-Viererkajak wurde zum Partyboot und Tomasz Wylenzek/Stefan Holtz lauschten ergriffen der Nationalhymne:

Mit ihren furiosen Goldfahrten haben die Viererkajak-Olympiasiegerin, das Flaggschiff und das Überraschung-Duo im Zweiercanadier der deutschen Kanu-Flotte einen glänzenden zweiten Finaltag bei den Weltmeisterschaften im ungarischen Szeged beschert.

Die Silbermedaille von Franziska Weber/Tina Dietze (Potsdam/Leipzig) im Zweierkajak rundete nach den Enttäuschungen am Freitag die glänzende Bilanz des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) in den olympischen Klassen ab.

"Ich habe fast geheult. Das ist eine verrückte WM", sagte ein überglücklicher Bundestrainer Reiner Kießler nach einem Wechselbad der Gefühle im ungarischen Kanu-Mekka.

Entsetzen nach Groß-Erkrankung

Nachdem am ersten Finaltag die Titelverteidiger Max Hoff (Essen) im Einerkajak als Vierter und Martin Hollstein/Andreas Ihle (Neubrandenburg/Magdeburg) im Zweierkajak als Fünfte den Konkurrenten hinterher fuhren, sorgte am Samstag die Erkrankung von Marcus Groß (Berlin) für Entsetzen im deutschen Lager.

Erst 15 Minuten vor Nennungsschluss entschloss sich der DKV für Paul Mittelstedt (Neubrandenburg) als Ersatzmann im Vierer - eine goldrichtige Wahl.

"Wir sind um unser Leben gefahren"

"Wir haben einen Kampfvierer gemacht. Wir hatten nicht den Druck, gewinnen zu müssen", meinte Kießler nach dem überraschenden Erfolg vor Australien und Russland. "Wir sind um unser Leben gefahren. Ich war noch sauer wegen des Einers", sagte Hoff.

Der 28-Jährige fiel seinen Teamkollegen am Steg überglücklich in die Arme, die Medaillenverleihung wurde zur großen Siegesparty. Kajak-Bundestrainer Detlef Hofmann vergoss bei diesen Bildern Freudentränen.

Jubel bei Wylenzek/Holtz

Fast sensationell war auch der Triumph von Wylenzek/Holtz, die erst seit dieser Saison in einem Boot sitzen und sich zuvor in der internen Ausscheidung behaupten mussten.

"Ich habe endlich den Mann gefunden, mit dem ich mich super verstehe. Das ist einer der schönsten Siege meiner Karriere", erklärte Olympiasieger Wylenzek, während Holtz anfügte: "Das war ein Rennen wie auf dem roten Teppich."

Reinhardt genießt Triumph in vollen Zügen

Ihren bemerkenswerten Erfolg genoss auch Nicole Reinhardt vor den Augen der achtmaligen Olympiasiegerin Birgit Fischer in vollen Zügen. (BERICHT: Kanu-Verband lassen Fischers Comeback-Pläne kalt)

"Das war über Jahre harte Arbeit für den einen Moment. Das ist Wahnsinn, ein Traum für mich", sagte die 25-Jährige und blickte schon einmal auf die Olympischen Spiele 2012 in London voraus: "Es ist ein Anreiz für mich, auch bei Olympia im Einer zu sitzen."

Peinliche Hymnen-Panne

Bei so vielen deutschen WM-Titeln war es gut, dass sich die peinliche Panne vom Freitag nicht wiederholte. Nachdem Anne Knorr/Debora Niche (Leipzig/Berlin) im nicht-olympischen Zweierkajak Gold über 1000 m gewonnen hatten, wurde nach der Medaillenvergabe die erste statt der dritten Strophe der deutschen Nationalhymne gespielt.

Weltverbandspräsident Jose Perurena Lopez und der ungarische Präsident Etele Barath entschuldigten sich am Samstag beim deutschen Verbandschef Thomas Konietzko.

Unverzeihlicher Fehler

"Der Weltverbandspräsident hat es als unverzeihlichen Fehler bezeichnet. Das habe ich akzeptiert. Jetzt wollen wir uns wieder auf die sportliche Seite konzentrieren", sagte Konietzko. Dies gelang prächtig.

"Hier ist jeder Tag eine Wundertüte. Man weiß morgens nicht, was abends rauskommt", so Konietzko.

Mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen sowie 13 Olympia-Quotenplätzen kann sich das DKV-Zwischfazit sehen lassen.

Am Finaltag am Sonntag kann der 13-malige Weltmeister Ronald Rauhe (Potsdam) die Bilanz auf der 200-m-Sprintdistanz im Einerkajak und Zweierkajak mit Jonas Ems (Essen) noch aufpolieren.

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