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Die B-Probe dient zur juristischen Absicherung eines Verdachtes auf Doping © getty

Führende Sportmediziner fordern intelligentere Kontrollen und die Abschaffung der B-Probe. NADA reagiert mit Unverständnis.

Frankfurt/Main - Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) fordert im Kampf gegen Doping die Abschaffung der B-Probe.

Bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) stößt sie dabei auf massives Unverständnis.

"Die B-Probe dient weltweit dem Schutz der Athleten. Eine Abschaffung wäre ein großer Rückschritt bei den Athletenrechten", sagte Nada-Sprecherin Ulrike Spitz.

Zuvor hatten führende und anerkannte Sportmediziner am Mittwoch bei der Jahrespresskonferenz der DGSP in einem Frankfurter Klinikum im Zuge der Dopingbekämpfung die weltweite Abschaffung der B-Proben gefordert.

Steinacker kritisiert Transportbedingungen

Diese dienen dazu, die Ergebnisse der A-Probe zu kontrollieren und damit juristisch wasserfest zu machen. Erst wenn A- und B-Probe ein positives Resultat erbracht haben, gilt ein Sportler als Dopingsünder.

Kritisiert wurde von den Medizinern vor allem die angeblich nicht sachgerechte Kühlung der Proben beim Transport. "Die B-Probe ist einer der Anachronismen in der Dopingbekämpfung. Die B-Probe verbraucht Geld und Zeit und verschlechtert die Resultate des Anti-Dopingkampfes", erklärte Professor Dr. Jürgen M. Steinacker. Der Ulmer ist Vorsitzender des DGSP-Wissenschaftsrates.

Er führte aus: "Viel wichtiger ist es, dem Transport und der Behandlung der A-Proben maximale Aufmerksamkeit zu widmen, das heißt, auch die Einführung von Kühltaschen und Kühlmöglichkeiten für die Proben."

Effizienz gefordert

Laut Steinacker würden die B-Proben "teilweise bis zu drei Wochen durch die Welt geflogen". Durch die dabei entstehende Wärme könnten unter Umständen sogar systematisch falsch negative Tests entstehen. Durch die Kühlung der Proben würden die "Kontrollen effizienter, und die Möglichkeit des Aufdeckens von Manipulation steigt."

Eine Argumentation, die Spitz nicht nachvollziehen kann. "Die B-Probe wird nicht hin- und hergeflogen. Bei der Abnahme wird das Urin auf zwei Flaschen verteilt, eine für die A- und eine für die B-Probe. Und selbstverständlich werden die Proben gekühlt aufbewahrt", so Spitz.

Generell werden die Proben nur transportiert, wenn die Athleten Vorbehalte gegen das Labor haben und die B-Probe in einem anderen Labor untersuchen lassen wollen", kritisierte er weiterhin.

"Keine intelligenten Kontrollen"

Steinacker kritisierte weiter, dass im Anti-Doping-Kampf noch immer "zu viel Wert auf die absolute Zahl von Kontrollen und zu wenig auf zielgerichtete, intelligente Kontrollen gelegt wird."

So gebe es immer noch Verbände, bei denen Kontrollen außerhalb von offiziellen Wettbewerben nur sehr schwer durchzuführen seien. "Natürlich führen wir zielgerichtete, intelligente Kontrollen durch", konterte Spitz.

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