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Die nationale Antidoping-Agentur NADA wurde im Jahr 2002 in Bonn gegründet © getty

Die desaströse Finanzierung der NADA gefährdet den Anti-Doping Kampf. Der Traum von Olympia in Deutschland wackelt.

Weimar/München - Hohe Ziele, wenig Geld: Der deutsche Sport übt derzeit einen schwierigen Spagat.

Zum einen soll der Traum von Olympischen Spielen im eigenen Land weiter am Leben gehalten werden, zum anderen mangelt es in wichtigen Bereichen an finanzieller Kraft.

Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) könnte in erhebliche Schwierigkeiten geraten, sollte sich der Bund - wie jetzt angedacht - als größter Geldgeber zurückziehen.

Es wäre ein verheerendes Zeichen, vor allem auch auf internationaler Ebene. Mit deutlichen Worten machte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bei der 35. Sportministerkonferenz in Weimar klar, dass das Großmäzenatentum des Bundes bei der NADA ein Ende haben müsste.

NADA-Etat von 4,5 Millionen Euro

Seit Jahren wird versucht, die Wirtschaft in die Förderung einzubeziehen - ohne nennenswerten Erfolg. Auch in diesem Jahr musste das BMI am Ende wieder herhalten und eine Million Euro zuschießen.

Insgesamt beträgt der Etat der NADA für das operative Geschäft 4,5 Millionen Euro. 1,3 Millionen gibt der Bund. 1,7 Millionen bringt der Sport auf. Der Rest rekrutiert sich u.a. aus Erlösen der NADA-Stiftung.

"Wir müssen einen andern Weg der Finanzierung finden", mahnte Friedrich und lud die Sportminister sowie Verbände und Wirtschaft im Frühjahr an einen weiteren Runden Tisch ein.

Auch Thomas Bach begrüßte den Vorstoß als Präsident des DOSB, obwohl die Aussichten auf Erfolg gering sein dürften: "Es kann nicht sein, dass wir jedes Jahr über dieses Thema sprechen müssen."

Die Sorge um das deutsche Ansehen

Eine Schwächung der NADA und damit des Anti-Doping-Kampfes kann sich Deutschland auch deshalb nicht leisten, weil es das Ansehen im Ausland und damit auch die Chancen auf den Zuschlag von Olympischen Spielen trüben könnte.

Dass es nach 1972 wieder Spiele in Deutschland geben soll, darüber herrschte bei Sport und Politik Einigkeit. "Das wäre eine großartige Gelegenheit, der Welt wieder mal unser Organisationstalent zu zeigen", sagte Friedrich.

Auch für Bach ist das Ziel klar. "Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir wieder gerne Olympische Spiele in Deutschland hätten", sagte der oberste Sportfunktionär. Das alles sei keine Frage des "ob", sondern vielmehr des "wann" und "wie".

"Wir haben ein starkes Konzept in der Hand"

Man müsse den rechten Zeitpunkt treffen und vor allem die internationalen Chancen ausloten. Nach wie vor scheint Bach Winterspielen den Vorzug zu geben.

"Wir haben mit der Bewerbung von München für 2018 ein starkes Konzept, einen Schatz in der Hand. Das wurde uns auch von den Sportministern der Länder hier in Weimar bestätigt", sagte der frühere Fecht-Olympiasieger. Zunächst aber will der deutsche Sport bei Olympia 2012 seine Zugehörigkeit zur Weltspitze bestätigen.

Das versprach zumindest DOSB-Leistungssportdirektor Bernhard Schwank den Sportministern der Länder. Allerdings sprach Bach mit Blick auf Olympia in London auch von einem "heißen Plaster". Man versuche in der Vorbereitung zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, dennoch sei ein Spitzenplatz in der Nationenwertung nur äußerst schwer zu erreichen.

Bach machte nach Platz fünf der deutschen Mannschaft mit 16 Goldmedaillen 2008 in Peking deutlich: "Gemessen an jüngsten Großturnieren liegen in der Nationenwertung zwischen Platz vier und Platz neun gerade mal zwei Goldmedaillen. Das heißt: Es kann alles passieren."

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