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Benjamin Kleibrink ficht künftig für Tauberbischofsheim © getty

Florett-Olympiasieger Benjamin Kleibrink blickt im Interview der Woche auf ein aufregendes Jahr zurück und schmiedet Pläne.

Von Christian Stüwe

München - Für Benjamin Kleibrink geht ein aufregendes Jahr zu Ende. Bei den Spielen Peking sicherte sich der 23-Jährige gleich bei der ersten Olympiateilnahme die Goldmedaille im Florett-Fechten.

Es war die erste Goldmedaille für die deutschen Fechter nach 16-Jahren und die erste für einen Florettfechter überhaupt.

Im Sport1.de-Interview-der-Woche erinnert sich Kleibrink an den großen Erfolg im August zurück.

Kleibrink spricht zudem darüber, wie der Triumph sein Leben verändert hat, über die Wahrnehmung seines Sports in der Öffentlichkeit, seinen Vereinswechsel und er blickt in die Zukunft.

Sport1.de: Herr Kleibrink, hinter Ihnen liegt ein erfolgreiches Jahr. Wie fällt die persönliche Bilanz aus?

Benjamin Kleibrink: Ich bin Olympiasieger geworden. Das ist das Größte, was man erreichen kann. Dadurch war das Jahr für mich ein Knaller. Der Rest der Saison war, soweit ich das einschätzen kann, nicht unbedingt der Knaller. Aber ich kann mich kann nicht mehr wirklich erinnern, weil der Olympiasieg alles in den Schatten gestellt hat.

Sport1.de: Wie sehr hat die Goldmedaille Ihr Leben verändert?

Kleibrink: In den ersten Wochen war es schon hektischer. Es kamen viel mehr Presseanfragen. Da hat man ein bisschen was zu tun. Daran muss man sich erst gewöhnen. Ich habe mir ein Management genommen. Man versucht natürlich auch daraus Profit zu schlagen, das ist ganz klar. Aber mit der Zeit ist das weniger geworden. Jetzt kann ich mich wieder besser auf das Fechten und das Studium konzentrieren. Der Alltag ist wieder eingekehrt.

Sport1.de: Was bedeutet es Ihnen, der erste deutsche Florettfechter zu sein, der bei Olympia Gold gewonnen hat?

Kleibrink: Das ist natürlich eine ziemlich große Sache. Ich wusste das vorher gar nicht. Wir wurde das in Peking von Journalisten mitgeteilt. Das ist schon schön. Das macht mich ein Stück weit stolz, dass ich der Erste bin, der das geschafft hat.

Sport1.de: Stört es Sie, dass Ihr Sport im Prinzip immer nur während Olympia in den Fokus der Öffentlichkeit rückt? Kleibrink: Naja, was heißt stören? Ich habe auch schon mal die Frage bekommen, ob man da neidisch ist, auf andere Sportler, das zielte auch darauf hinaus. Aber es ist so, dass man da quasi hineinwächst. Man betreibt diesen Sport jahrelang. Wenn man damit anfängt, hat man nicht die Idee, dass man damit reich werden könnte. So wie man es vielleicht im Fußball werden kann. Aber da das nicht so ist, gewöhnt man sich mit den Jahren daran und hat auch gar nicht die Erwartungshaltung. Insofern kommt da kein Neid auf und ich denke auch nicht drüber nach. Klar könnte man sagen, dass das schade ist, aber für mich ist das einfach so.

Sport1.de: Sie sind vor kurzem von Bonn nach Tauberbischofsheim gewechselt. Wie kam es dazu?

Kleibrink: Ich hatte in Bonn ein paar persönliche Probleme mit dem Vorstand. Dann hatte der Wechsel auch finanzielle Hintergründe. Das sind die zwei Punkte, die den Wechsel ausgemacht haben.

Sport1.de: Wie verträgt sich der Wechsel mit Ihrem Studium?

Kleibrink: Es ist so, dass ich eigentlich nur auf dem Papier wechsle. Ich trainiere in Bonn im Bundesleistungszentrum. Dort darf jeder Kaderfechter trainieren. Ich kann dort weiter mit meinem Trainer Uli Schreck trainieren, der auch Bundestrainer ist. Insofern bin ich von meinem Verein unabhängig und kann hierbleiben. Für mich verändert sich gar nichts, ich muss nicht umziehen oder so.

Sport1.de: Wie groß ist die Doppelbelastung zwischen Leistungssport und Studium?

Kleibrink: Ich studiere Sport, und das ließ sich bisher immer ganz gut verbinden. Das ist ohne Probleme.

Sport1.de: Was sind Ihre Ziele für 2009?

Kleibrink: Grundsätzlich wäre es schön, bei den Welt- und Europameisterschaften eine Medaille zu holen. Ich bin letztes Jahr Dritter bei der WM und Olympiasieger geworden. Da will ich mich bei der WM natürlich noch steigern. Auch bei der Europameisterschaft, wo ich letztes Jahr Silber geholt habe. Ansonsten habe ich noch nicht beschlossen, was in der Saison ansteht. Aber die Höhepunkte sind Europameisterschaft und Weltmeisterschaft.

Sport1.de: Olympia 2012 ist noch weit weg. Sind die Spiele in London trotzdem ein Fernziel?

Kleibrink: Das ist wirklich noch lange hin und momentan noch nicht im Hinterkopf. Aber natürlich arbeite ich letztendlich darauf hin und gehe den neuen Block, die nächsten vier Jahre, an.

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