vergrößernverkleinern
WADA-Urteil im November 2010 zählt die UV-Bestrahlung zur verbotenen Methode © getty

Der DOSB klagt den Mediziner wegen leistungssteigender Behandlungsmethoden an. Franke bezeichnet die Vorwürfe als "absurd".

München - Zum ganz großen Dopingskandal wird die Affäre wohl nicht.

Doch zumindest seit dem 1. Januar 2011 hat der Erfurter Sportmediziner Andreas Franke offenbar Leistungssportler mit verbotenen Methoden behandelt.

Der auch am Olympiastützpunkt Thüringen tätige Arzt erklärte am Montag, selbst wenn eine Methode mit der Ultraviolett-Behandlung und Reinjizierung des Blutes seit gut einem Jahr verboten gewesen sein sollte, seien es "nur ganz, ganz wenige Athleten", deren Theraphie in diesen Zeitraum falle.

Über mögliche Sanktionen muss nun das Schiedsgericht des deutschen Sports (SDI) entscheiden.

Verfahren gegen zwei Sportler

Nach SID-Informationen hat die Staatsanwaltschaft Erfurt nach der bereits im April 2011 erfolgten Durchsuchung der Erfurter Praxis des Mediziners und Beschlagnahmung von Computerdaten Verfahren gegen zwei Sportler eingeleitet.

Gegen Franke wird wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt.

Bei der betroffenen Eisschnellläuferin des ESC Erfurt soll es sich jedoch nicht um eine Athletin aus der ersten Reihe handeln. Zur Person des Radsportlers wurde nichts bekannt.

20 Leichtathleten vernommen

Franke hat offenbar seit 2006 auch Leichtathleten behandelt. Insgesamt sollen mehr als 20 Sportler von der Staatsanwaltschaft vernommen worden sein.

Andreas Franke erklärte am Montag, es sei "absurd" seine Methode der Infektbehandlung mit Doping oder gar "Blutdoping" in Zusammenhang zu bringen.

Er habe gegen keine Vorschrift der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verstoßen.

"Kein leistungssteigernder Effekt"

Franke erläuterte: "Die UV-Bestrahlung von geringen Mengen (max. 50 ml) dem Körper entnommenem und ihm sofort wieder reinjeziertem Blut ist eine seit Jahrzehnten und damit altbekannte Methode zur Behandlung von Infekten."

"Ein leistungssteigernder Effekt ist mit dieser Behandlungsmethode weder verbunden, noch beabsichtigt. Ich wende diese Behandlungsmethode zum Zwecke der Infektbehandlung seit mehr als 20 Jahren an. Es gibt weltweit keine einzige wissenschaftliche Untersuchung, die dieser Art von Infektbehandlung eine leistungssteigernde Wirkung zubilligt."

"Dies wurde auch auf dem Anti-Doping-Seminar des DOSB in Oberursel am 26. November 2011 so festgestellt", ergänzte Franke.

"UV-Bestrahlung ist verboten"

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) setzte dem entgegen:

"Am 26. November 2011 gab es kein Anti-Doping-Seminar des DOSB, allerdings am 26. November 2010. Bei dieser Veranstaltung wurde die WADA-Verbotsliste 2011 durch Herrn Prof. Kindermann vorgestellt und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ab 1. Januar 2011 Manipulationen von Eigenblut - Abnahme, Behandlung und Rückführung - verboten sind."

"Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass darunter auch die UV-Bestrahlung fällt. Ob damit eine Leistungssteigerung verbunden ist oder nicht, ist nicht von Belang", heißt es in der Erklärung weiter.

NADA bleibt vorsichtig

Wenig später reagierte die Nationale Anti Doping-Agentur zurückhaltend. NADA-Chefjustiziar Lars Mortsiefer meinte in einer Stellungnahme:

"Ob und inwieweit es sich bei der von Herrn Franke eingesetzten Methode um eine verbotene Methode im Sinne der WADA-Verbotsliste handelt, haben Schiedsrichter beim Deutschen Schiedsgericht zu klären."

"Soweit dies bejaht wird, gilt es ebenso zu entscheiden, ob die jeweils betroffenen Athleten einen schuldhaften Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen begangen haben oder nicht," fügte der Jurist hinzu.

Disziplinarverfahren eingeleitet

Mortsiefer meinte zur Behandlungsmethode des Mediziners: "Unseres Erachtens ist jedenfalls ein solcher Verstoß nicht von vornherein ausgeschlossen. Auf eine Leistungssteigerungsabsicht kommt es beim Einsatz der Methode nicht an."

"Deshalb haben wir auch das Ergebnismanagementverfahren eröffnet und im Anschluss daran ein Disziplinarverfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht eingeleitet."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel