vergrößernverkleinern
Marcel Kittel fuhr in der Saison 2011 17 Mal als Sieger über die Ziellinie © imago

Radprofi Marcel Kittel bietet in der Dopingaffäre um den Sportmediziner Andreas Franke seine Hilfe an. Er selbst sei unschuldig.

München - Die Diskussion über die Dopingaffäre um den Erfurter Mediziner Andreas Franke setzt sich fort.

Es herrscht weiterhin keine völlige Klarheit hinsichtlich eines Verbots der von ihm angewendeten Methode (BERICHT: Frankes UV-Bestrahlung im Kreuzfeuer).

Zweifel konnten auch die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und die Nationale Anti Doping Agentur NADA nicht endgültig beseitigen.

Der Sportausschuss des deutschen Bundestages wird auf seiner Sitzung am 21. März über mögliche Konsequenzen der Erfurter Affäre beraten. Das bestätigte die Vorsitzende des Ausschusses, Dagmar Freitag (SPD).

Kittel bietet Zusammenarbeit an

Derweil hat der deutsche Radprofi Marcel Kittel im Zusammenhang mit der Affäre jede erdenkliche Zusammenarbeit mit den Behörden angeboten.

"Ich will mich öffnen und möchte absolut transparent sein", sagte Kittel im SID-Gespräch.

Der gebürtige Arnstädter war in einem Bericht der "ARD-Sportschau" in Verbindung mit den Ermittlungen gebracht worden.

Warten auf Staatsanwaltschaft

WADA und NADA konnten unterdessen am Mittwoch nicht das erhoffte Licht ins Dunkel bringen.

Erst muss die Staatsanwaltschaft Erfurt ihre Ermittlungen (voraussichtlich März) abschließen, daraus zieht die NADA ihre Erkenntnisse, erst dann wird das Deutsche Sportschiedsgericht (DIS) den Fall bewerten.

Franke: Behandlung von Infekten

Vorläufig bleibt umstritten, ob der Arzt Athleten gedopt hat.

Dem Mediziner wird von der Staatsanwaltschaft Erfurt vorgeworfen, Sportlern Blut entnommen, dieses einer UV-Behandlung unterzogen und anschließend den Athleten wieder zugeführt zu haben.

Franke hatte gesagt, er habe dies nur zur Behandlung von Infekten und nur in einem Umfang von jeweils 50 Millilitern getan.

"Seit vielen Jahren verboten"

Die NADA machte am Mittwoch deutlich, dass sie und die WADA eine unerlaubte Handlung in der angewandten Behandlung sehen.

"Die NADA teilt mit der WADA die Auffassung, dass die in Erfurt angewendete Blutbehandlung schon seit vielen Jahren verboten ist. Der Passus, der zur Präzisierung des Regelwerks im WADA- und NADA-Code 2011 hinzugefügt wurde, bedeutet nicht im Umkehrschluss, dass die darin näher bezeichneten Methoden zuvor erlaubt gewesen sind."

Ähnliche Fälle bereits untersucht

Die WADA erklärte in einem Schreiben zudem, sie sei durch Medien informiert worden über den Fall, habe aber noch keine spezifischen technischen Aspekte der Behandlung in Händen.

Allerdings seien bereits ähnliche Fälle in der Vergangenheit untersucht worden.

Wenn die UV-Licht-Behandlung bedeute, dass Athletenblut manipuliert und re-injiziert werde, sei der Prozess verboten unter Punkt M2.3 der Liste der verbotenen Substanzen und Methoden.

Die WADA sagt: "M2.2 wurde aufgenommen in die Liste 2011, nachdem die WADA Kenntnis erhielt von verschiedenen neuen Techniken. Auch zuvor war Blutmanipulation verboten unter Punkt M1 und M2, dieses war 2004 Teil der Liste, als die WADA die Verantwortung übernahm."

Kampf gegen Windmühlen

Ohne endgültige Erkenntnisse aus dem noch laufenden Verfahren der Staatsanwaltschaft zu haben, hatte Freitag die Methoden des belasteten Sportmediziners Franke missbilligt.

"Unabhängig davon, ob das angewendete Verfahren leistungssteigernd ist oder nicht, halte ich es für bedenklich, dass sich Spitzenathleten einer Manipulation ihres Blutes unterziehen", sagte Freitag.

Die 58-Jährige betonte, dass man seit Jahren gegen diese Vorgehensweise von Sportlern kämpfe. "Aber wir müssen erkennen, dass einige Sportler immer wieder bereit sind, nicht erlaubte Methoden anzuwenden."

"Diese Methode kommt total schräg rüber"

Auch Kittel äußerte sich ausführlich. Der Radprofi hatte den Arzt in 2007 und 2008 bei Krankheit aufgesucht, da er als Sportler aus der Region unter Obhut des Olympiastützpunktes Erfurt fiel, an dem Franke tätig war.

Kittel hatte damals auf Anraten Frankes die UV-Behandlung an Eigenblut erhalten.

"Ich habe absolut Verständnis dafür, wenn man diese Geschichten hört und sich Gedanken macht. Diese Methode kommt total schräg rüber, gerade im problematischen Kontext Radsport", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Vertrauen in den Arzt

Alle Athleten hätten die Möglichkeit gehabt, die Leistungen Frankes anzunehmen, sagte Kittel.

Er habe 2007 mit 18 erstmals die Behandlung erhalten. "Ich weiß nicht genau, was ich beim ersten Mal hatte. Aber ich war wegen Erkältungen dort und Anfang 2008 wegen einer Angina", berichtete Kittel.

Franke habe ihm die Behandlungsmethode erklärt und ihn davon überzeugt. "Es klang für mich schon komisch. Aber er ist der Arzt und deshalb hatte ich Vertrauen".

"Mini-Solarium" für das Blut

Wie ein "Mini-Solarium" für das Blut sei das gewesen und habe nur wenige Minuten gedauert.

Wirklich wohl sei Kittel nie dabei gewesen und er habe auch "nach Doping gefragt", doch Franke habe dies verneint. "2008 hatte ich so ein mulmiges Gefühl, dass ich mir sagte: lassen wir das", sagte Kittel.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel