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Thomas Bach holte als Fechter mit der Mannschaft 1976 Olympia-Gold © getty

Trotz mehr Fahndern und Kontrollen: DOSB-Präsident Thomas Bach glaubt, dass der Sport Doping nie besiegen wird.

Von Katharina Blum

München - Das klingt nach Resignation, ja, sogar nach Kapitulation: "Wir werden Doping nie besiegen", sagt Thomas Bach.

Irgendwie wirken alle Worte ein wenig verzweifelt, die der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in einem Interview der "Stuttgarter Nachrichten" in Sachen Doping von sich gibt.

"Man muss das gesamtgesellschaftlich sehen", meint er und zieht einen Vergleich: "Das Diebstahlverbot steht schon in den zehn Geboten. Dennoch ist Diebstahl bis heute nicht ausgerottet."

Der nächste Skandal?

Auch beim Thema Doping ist man von Ausrottung noch meilenweit entfernt: Dem deutschen Sport droht mit der Causa Erfurt im Olympiajahr gerade mal wieder ein neuer Doping-Skandal.

Dort sollen sich am Olympia-Stützpunkt seit 2005 mindestens 30 Athleten einer nicht zulässigen UV-Behandlungsmethode unterzogen haben (BERICHT: Frankes UV-Bestrahlung im Kreuzfeuer).

Gegen zwei Athleten hat die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) bereits Ermittlungsverfahren eingeleitet, die vor dem Schiedsgericht des deutschen Sports behandelt werden und der NADA als Präzedenzfälle dienen.

Weltweit härteste Strafe

Bach hat in dieser Sache inzwischen zwar eine "schnelle und lückenlose Aufklärung" gefordert, auf der anderen Seite sagt er aber: "Man darf nach einem Dopingfall nicht die gesamte Sportsystematik infrage stellen."

Das immer engmaschiger werdende Netz der Dopingfahnder, die über 6000 geplanten Kontrollen bei den Olympischen Spielen in London - das sind die Fortschritte, über die der DOSB-Präsident viel lieber spricht.

Oder die neuen Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaften und deren Erfolge. Beispiel Passau: Dort wurde ein Doping-Händler zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

"Das ist die härteste Strafe, die es weltweit jemals gegeben hat", betont Bach.

Kein Anti-Doping-Gesetz

Ein Anti-Doping-Gesetz, wie es die bayerische Justizministerin Beate Merk vehement fordert, lehnt Bach dagegen ab, um vor allem den Einfluss nicht zu verlieren.

"Wenn sie dem Kampf gegen Doping ein staatliches System überstülpen, fallen sie hinter die Möglichkeiten zurück, die der Sport hat", sagt der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim. "Wir haben bei den Athleten den besseren Zugriff. Der Staat bei den Hintermännern."

"Das Giftigste ist der Generalverdacht"

Was dem Sport aber ebenso schade wie überführte Dopingsünder, sei der Generalverdacht.

"Das Giftigste am Doping ist nicht, dass ich einen rausziehe, sperre und sanktioniere. Sondern das Schlimme ist, dass dieses Gift, dieser Generalverdacht, auf denjenigen übertragen wird, dem ich helfen möchte: auf den sauberen Athleten."

Das nehme, meint Bach, die Emotionalität und die Begeisterung am Sport.

Die ist zumindest bei ihm im Olympia-Jahr ungebrochen. "Wir werden in London unseren Platz in der Weltspitze verteidigen", sagt er.

Und das klingt wenigstens schon wieder ein bisschen hoffnungsvoller.

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