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Pius Heinz wurde am 4. Mai 1989 in Swisttal-Odendorf geboren © imago

Pius Heinz ist Poker-Weltmeister. Auf dem Weg zum Titel meistert er etliche brenzlige Spielsituationen und knappe Duelle.

München - 6.865 Teilnehmer an der World Series of Poker, der Weltmeisterschaft, haben vom Titel geträumt. Pius Heinz hat ihn für sich Realität werden lassen und darf sich Poker-Weltmeister 2011 nennen.

Der 22-Jährige traf auf dem Weg zum Triumph die meisten richtigen Entscheidungen und umschiffte die schwierigsten Klippen.

SPORT1 zeigt in der Analyse die spielentscheidenden Hände und Heinz erklärt seine Taktik.

(Die SPORT1-Pokerschule mit Pius Heinz)

Hand 39: Pius Heinz vs. Eoghan O'Dea

Noch alle 9 Finalisten im Turnier

Blinds 300.000/600.000; 75.000 Ante

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Heinz: Da ich mit den Damen eine starke Hand halte, habe ich vor dem Flop erhöht, Ben Lamb hat direkt hinter mir bezahlt und O'Dea nochmal deutlich erhöht. (Folge Pius Heinz auf twitter)

Ich habe kurz darüber nachgedacht, direkt All-In zu gehen, was mir aber zu so einem frühen Zeitpunkt zu risikoreich erschien. Zum Folden ist die Hand aber natürlich auch zu stark, deshalb habe ich bezahlt und Ben hat seine Hand daraufhin aufgegeben.

O'Deas Einsatz auf dem Flop sagt im Prinzip nichts aus, ich kenne ihn gut und er würde in dieser Situation wahrscheinlich mit so ziemlich jeder Hand weitersetzen. Folglich habe ich wieder bezahlt.

Seine hohe Bet auf dem Turn hat mich dann allerdings stutzig gemacht. Eigentlich kann er hier nur noch mit extrem starken Händen, also der dritten 8 oder fertigen Flushs, setzen. Mein erster Instinkt war dementsprechend auch meine Hand aufzugeben.

Dann habe ich mir jedoch überlegt, dass dies für meinen Gegner eine super Gelegenheit zum Bluffen ist. Erstens kennt er meine Hand relativ genau, jeder gute Pokerspieler weiß, dass ich aufgrund meiner Spielweise in den ersten beiden Setzrunden nur Damen oder Jungen halten kann.

Außerdem hatte er deutlich mehr Chips als ich und kann darauf hoffen, dass ich nicht erpicht darauf bin, als erster den Final Table des WSOP Main Events zu verlassen.

Wenn jemand an diesem Tisch zu so einem Bluff in der Lage ist, dann O'Dea und ich hielt mit den Damen (eine davon in Kreuz) zumindest die beste Hand, die man in dieser Situation von mir erwarten kann. Also dachte ich mir, ich probiere es mit dem All-In und das hat dann auch geklappt.

Hand 146: Pius Heinz vs. Ben Lamb

Noch 4 Spieler im Turnier

Blinds: 500.000/1.000.000; 150.000 ante

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Heinz: Ben Lamb hat immer wieder, wenn ich seinen Big Blind angegriffen habe, erhöht.

Ich hatte einerseits nie Starthände, um wirklich gegenhalten zu können - anderseits konnte ich mich ja selbst von einem so guten und erfahrenen Spieler wie Ben Lamb nicht ständig rumschubsen lassen.

Außerdem habe ich von meinen Freunden, da der Final Table ja leicht zeitversetzt im TV gezeigt wurde, die Information bekommen, dass er mich in diesen Situationen besonders oft blufft.

Meine eigene Hand spielt hier eigentlich überhaupt keine Rolle. Es ging vor allem darum, ein Zeichen für Ben Lamb zu setzen und klarzumachen, dass ich mich, selbst von ihm, nicht permanent bluffen lassen werde.

Hand 176: Pius Heinz vs. Ben Lamb

Noch 4 Spieler im Turnier

Blinds: 600.000/1.200.000; 200.000 ante

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Heinz: Bis zum River verläuft die Hand eigentlich relativ normal. Den extrem großen Einsatz am River bringe ich aus zwei Gründen: Zum einen will ich meine möglichen Hände polarisieren, also meinen Gegner glauben machen, dass ich entweder eine sehr starke oder sehr schwache Hand halte, um eventuell eine eher mittelmäßige Hand, wie Ben sie ja in diesem Fall hält, zum Zahlen zu bewegen.

Zweitens hätte die Gefahr bestanden, dass Ben, wenn ich eine "normale" Setzgröße gewählt hätte, die Chance gehabt hätte, mich zu bluffen und selber nochmal zu erhöhen.

In diesem Fall hätte ich mit meinem Two Pair vor einer sehr schwierigen Entscheidung gestanden, durch meinen extrem hohen Einsatz liegt der ganze Druck bei meinem Gegner.

Hand 293: Pius Heinz vs. Martin Staszko

Noch 2 Spieler im Turnier

Blinds: 1.200.000/2.400.000; 300.000 ante

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Heinz: Da wir nur noch zu zweit am Tisch waren und ich eine extrem starke Hand halte ist klar, dass ich vor dem Flop erhöhe. Martins Erhöhung auf meine Bet am Flop hat mich kurz verwirrt, da ich eigentlich extrem selten vor dem Flop erhöht habe und er deshalb eigentlich davon ausgehen muss, dass ich den Flop getroffen haben könnte.

Dass er aber selber ein Monster wie Drillling Siebener oder Könige hält, hielt ich auf Grund seines Setzverhaltens vor dem Flop für extrem unwahrscheinlich.

Ich bin eher davon ausgegangen, dass er entweder einen Flush- oder Straight-Draw hält beziehungsweise eine Kombination aus beiden oder schlicht und ergreifend einfach blufft.

Für das All-In habe ich mich entschieden um möglichst viel Druck auf meinen Gegner aufzubauen und da ich selber Ass Dame halte.

Erstens nehme ich Martin so auch noch Karten weg, die ihm helfen würden, seinen Draw zu komplementieren.

Zweitens habe ich, sollte sich Martin doch entscheiden zu bezahlen, egal was er hält, auf jeden Fall noch die Chance zu gewinnen, da jeder Bube meine Hand zur höchsten Straße macht.

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