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Daniel Michel (l.) und Andreas Kloo (M.) von SPORT1 im Gespräch mit Hans-Peter Friedrich © getty

Sportminister Hans-Peter Friedrich spricht im Interview der Woche über Neuners Abschied, den Reiz des Biathlons und Doping.

Von Andreas Kloo und Daniel Michel

Ruhpolding - Als Bundesinnenminister ist Hans-Peter Friedrich nicht nur für den Verfassungsschutz oder den öffentlichen Dienst zuständig, sondern auch für den Sport.

Die Themen Olympia-Bewerbung, Förderung von Sportlern oder auch der Anti-Doping-Kampf landen auf seinem Schreibtisch.

In Ruhpolding erlebte der CSU-Politiker die schönen Seiten seines Berufes. Bei der stimmungsvollen Eröffnungsfeier der Biathlon-WM durfte er die Eröffnungsrede halten.

Im Interview der Woche spricht er über den Abschied von Magdalena Neuner, Finanzierungsprobleme im Kampf gegen Doping und seine eigenen sportlichen Aktivitäten.

SPORT1: Herr Bundesminister Friedrich, Sie haben sich bei der WM in Ruhpolding als Fan des Biathlons geoutet. Wo liegt für Sie der Reiz dieser Sportart?

Friedrich: Die Kombination aus Laufen und Schießen ist eine große Herausforderung für die Athleten und außerordentlich spannend für den Zuschauer. Wie die Sportler am Schießstand ihren Puls herunterfahren und sich konzentrieren, beim Laufen aber bis zum Äußersten gehen müssen, ist schon etwas Besonderes. Und die Verantwortlichen haben es geschafft, die Sportart Biathlon mit Wettbewerbsformen wie den Verfolgungsrennen oder dem Massenstart zuschauergerecht zu modernisieren.

SPORT1: Kann Biathlon deshalb auch anderen Sportarten als Vorbild dienen?

Friedrich: Absolut. Biathlon hat in den vergangenen zwanzig Jahren eine unglaubliche Entwicklung genommen. Wer junge Menschen ansprechen will, muss sich immer etwas Neues überlegen, denn die Erwartungen ändern sich. Der Sport muss mit der Veränderung Schritt halten - dem Biathlon ist dies wunderbar gelungen.

SPORT1: Allerdings war die WM in Ruhpolding der letzte große Auftritt Magdalena Neuners. Sie beendet ihre Karriere. Befürchten Sie ein Abebben der Biathlon-Euphorie?

Friedrich: Magdalena Neuner kann auf eine große Karriere zurückblicken: Sie hat Großartiges geleistet, auch für unser Land. Ihr sympathisches Auftreten und ihre zahlreichen Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen sprechen für sich. Viele von uns wünschen sich, sie über diese Saison hinaus laufen zu sehen - aber ich respektiere ihren Entschluss, mit dem Leistungssport aufzuhören. Ich bin sicher: Biathlon wird weiter seinen Reiz für die Fans behalten.

[kaltura id="0_kga4lqt8" class="full_size" title=" Die Sonne scheint trotzdem genauso hell "]

SPORT1: Der russische Damen-Cheftrainer Wolfgang Pichler hat Mängel in Kampf gegen Doping beim Biathlon angeprangert. Wie beurteilen Sie die Situation?

Friedrich: Unsere Kontrolldichte hat allgemein ein Niveau erreicht, das sich im internationalen Vergleich sehen lassen kann. In Ausdauer-Sportarten müssen Doping-Kontrolleure natürlich besonders genau hinschauen.

SPORT1: Unschöne Neuigkeiten gab es zuletzt aus Thüringen: Am Olympiastützpunkt in Erfurt soll ein Arzt jahrelang Sportler beim Dopen unterstützt haben. Muss die Politik Doping gesetzlich härter bestrafen, wie das etwa in Frankreich der Fall ist?

Friedrich: Die Bundesregierung hat vor einigen Jahren ein ganzes Bündel an gesetzlichen Regelungen erlassen. Wir sind dabei uns anzuschauen, wo Verschärfungen notwendig sind. Der Gesetzgeber darf aber nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen, sondern er muss auf gezielte Maßnahmen setzen. So oder so kommt es entscheidend darauf an, Dopingkontrollen konsequent und flächendeckend durchzuführen. Mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur hat Deutschland ein Kompetenzzentrum, das sich sehen lassen kann.

SPORT1: Doch die NADA steht fast ohne Geldgeber da. Wie soll es für die Organisation weitergehen nach den gescheiterten Sponsoren-Verhandlungen?

Friedrich: Es gibt in der Tat Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Das Grundproblem der NADA liegt zehn Jahre zurück: Sie wurde als Stiftung gegründet und sollte sich nach dem Willen der Gründer mit einem Stiftungskapital von 80 Millionen Euro selbst finanzieren. Seitdem wurden der NADA aber nur 13 Millionen Euro als Stiftungskapital bereitgestellt, elf Millionen Euro davon seitens des Bundes. Von den jährlichen Zinsen für diesen Betrag lässt sich die NADA natürlich nicht betreiben. Wir hoffen mit dem Runden Tisch die Länder, die Wirtschaft und den Sport wachgerüttelt zu haben. Schauen Sie: Wenn sich 16 Bundesländer mit insgesamt gerade mal vierzehntausend Euro jährlich am Anti-Dopingkampf der NADA beteiligen, ist das einfach zu wenig. Es geht um die Sauberkeit des Sports, da müssen auch die Länder ihrer Verpflichtung gerecht werden.

SPORT1: DOSB-Präsident Thomas Bach sagt: Der Kampf gegen Doping sei auf Dauer nicht zu gewinnen. Teilen Sie diese Meinung?

Friedrich: Nein, das sehe ich nicht so. Ich glaube, konsequente Dopingkontrollen sind die richtige Antwort. Wir geben den Kampf gegen Doping nicht auf, und zwar zum Wohle des Sports. Selbstverständlich muss die technische Ausstattung der Kontrolleure auf Höhe der Zeit sein, um Dopingsünder zu überführen. Der Staat muss Rechtssicherheit schaffen, und der Sportler soll wissen: Der Sport muss sauber bleiben. Nur dann behält der Sport nämlich seine integrierende Wirkung.

SPORT1: Sie sind Franke - aber Fan des FC Bayern. Können die Münchner noch die Meisterschaft gewinnen?

Friedrich: Wie man am Wochenende gesehen hat, endet auch die Siegesserie des BVB irgendwann. Und als Fan gibt man die Hoffnung ohnehin nicht auf.

SPORT1: Sie selbst haben früher als Torwart gespielt. Ihre Wunschposition?

Friedrich: Ehrlich gesagt habe ich mich ins Tor gestellt, weil die anderen einfach schneller laufen konnten? Eine Zeit lang habe ich auch Handball gespielt und dort das Tor gehütet. Das hat mich dann auch im Fußball vorangebracht.

SPORT1: Hatten Sie auch ein Vorbild?

Friedrich: Ich bin in der Generation sozialisiert worden, die das WM-Endspiel 1966 gegen England erleben musste. Im Tor haben mich Hans Tilkowski und später Sepp Maier begeistert, dazu die Weltmeister von 1974.

SPORT1: 2007 haben Sie dann noch mal mit dem Lauf-Training begonnen?

Friedrich: Ich habe nach 29 Jahren das Rauchen aufgehört - mein größter persönlicher Sieg! Um meinen Kreislauf auf Trab zu bringen, habe ich dann das Training aufgenommen und bin in Frankfurt einen Marathon gelaufen?unter fünf Stunden, immerhin.