Die Sportler-des-Jahres-Wahl stärkt den olympischen Sport und im Falle Hartings den unbequemen Athleten. Das ist gut so.

Die 1500 abstimmenden Sportjournalisten hätten es sich leicht machen können: Mit Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und Borussia Dortmund, erstmals Double-Gewinner im Fußball, hätten sie den Sportler und das Team wählen können, das ihnen 2012 die besten Quoten und die meisten Leser beschert haben.

Und wer den bereits im letzten Jahr gewürdigten BVB diesmal nicht mit der vollen Punktzahl bedenken wollte, hätte auch gute Argumente für die geschichtsträchtigen Handballer des THW Kiel gehabt: Triple-Triumph und eine Bundesliga-Saison ohne einen Minuspunkt!

Doch im olympischen Jahr wurde Diskus-Gigant Robert Harting zum Sportler des Jahres, der Deutschland-Achter vor den Beachvolleyballern Julius Brink/Jonas Reckermann und den deutschen Hockey-Herren zur Mannschaft des Jahres gekürt - allesamt Goldmedaillengewinner von London.

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Dass diese oft weniger beachteten Sportler, die bei ihrer zum Teil einmaligen Chance im ganz großen Rampenlicht Topleistungen abgerufen haben, in Baden-Baden noch mal gebührend geehrt wurden, ist ein klares Signal für den olympischen Sport.

Dessen Glanz und Gloria trägt nämlich oft nicht viel weiter als bis zur Schlussfeier, und um ihn in Bares umzumünzen, kann jede öffentlichkeitswirksame Ehrung nur dienlich sein.

Zumal hinter den olympischen Helden auch mehr als Glanz und Gloria steckt, wie sich am deutlichsten bei Harting zeigt.

Dessen verbissener Kampf für eine bessere Sportförderung, ja für einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert des Sports mag zwar manchen ermüden. Und das undiplomatische Poltern Hartings den DOSB-Präsidenten Dr. Thomas Bach auf Distanz gehen lassen.

Doch die Diskussion, das merken nicht nur viele Journalisten, hat ähnliche Spannung und eine noch größere Bedeutung als Hartings Diskusfinale in London.

Auch die Bedeutung von Magdalena Neuners drittem Wahlsieg geht weit über die Titel - bei ihr 2012 zwei WM-Goldmedaillen und der Gewinn des Gesamtweltcups - hinaus.

Mehr als doppelt so viele Punkte wie die zweitplatzierte Angelique Kerber und Gold-Lenas Auftritt von Baden-Baden untermauern, dass sie wie keine zweite Athletin all das verkörpert, was einen Star ausmacht: Chame, Witz, Selbstbewusstsein - Klasse.

Dumm nur, dass sie seit dem Frühjahr im sportlichen Frühruhestand ist und einem angst und bange werden muss, wer diese Lücke ab 2013 bei Galas stopft.

Womöglich ist das Erbe, das Neuner hier hinterlässt, noch größer als das im Biathlon.

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