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Magdalena Neuner gewann bei Weltmeister- schaften 17 Medaillen, davon zwölf goldene © getty

Nach ihrem erneuten Triumph erklärt Lena Neuner SPORT1, was ihre neue Balance ausmacht. Harting freut sein Sieg über das Kapital.

Aus Baden-Baden berichtet Michael Spandern

Baden-Baden - Rund neun Monate nach ihrem Rücktritt vermag Magdalena Neuners Dominanz noch immer zu verblüffen, zu überwältigen, zu einem Seufzen zu verleiten.

Sogar bei den Ausrichtern einer Gala, die von niemandes Stahlkraft mehr profitierten als von der Gold-Lenas.

"Unglaublich, was da noch immer abgeht", staunte Guido Dobbratz, Mitorganisator der Wahl "Sportler des Jahres", nach rund vier Stunden im Kurhaus von Baden-Baden mit der Biathlon-Königin im Frühruhestand: "Ich habe den Eindruck, sie ist die wichtigste Person im Saal."

Nicht mal halb so viele Punkte für Kerber

Da wollte keiner widersprechen, auch nicht Robert Harting und der Deutschland-Achter, die nach ihren Olympiasiegen zum Sportler und zur Mannschaft des Jahres (Bericht) gekürt worden waren.

Und Neuner selbst? Die 25-Jährige strahlte nicht aus Überraschung über das überdeutliche Votum, das ihr mehr als doppelt so viele Stimmen wie Angelique Kerber, der Nummer 5 der Tenniswelt, beschert hat.

Nein, sie genoss den Moment des sportlichen Ruhms, den letzten, wie sie sagte. Wohl ausblendend, dass sie auf bestem Wege ist, auch "Die SPORT1" erneut abzuräumen.

"Irgendwo bleib ich mal hängen"

Gut, dass ihr kühnes Bauvorhaben noch nicht exakt durchgeplant ist: "Irgendwann baue ich mir ein Haus um all meine Trophäen herum."

Was die Zukunft angeht, lässt die Wallgauerin sich ansonsten ungern in die Karten blicken. "Ich lege mich nicht fest, probiere mal dies, mal das aus. Und irgendwo bleib ich dann mal hängen."

Weitere Auftritte in TV-Shows werde es geben, sagte sie SPORT1: "Da habe ich keine Berührungsängste. Aber dauernd im Rampenlicht - das kann ich mir nicht vorstellen. Es ist die Balance: mal zurückgezogen leben, und hin und wieder bricht es mal wieder aus."

Heirat 2013? Neuner weiß von nichts

Womit ihr eingangs der Pressekonferenz gegebenes Versprechen, "ab 2013 ganz Normalo" zu sein, ein falsches werden dürfte.

"Irgendwann wird wieder ein Highlight kommen", schmunzelte sie, auch wenn sie fürs nächste Jahr nichts von Heiratsplänen wissen will: "Da müssten sie meinen Freund fragen."

Den Biathlon-Zirkus beobachtet sie derweil am liebsten von der Couch aus - und war begeistert, dass ihre Freundin Miriam Gössner am Wochenende neben zwei zweiten Plätzen ihren ersten Weltcup-Sieg einfuhr.

Neuner lobt Gössners Ansage

"Das war perfekt jetzt kurz vor Weihnachten. Ich hab ja immer auf sie gesetzt", betonte sie vor der gemeinsamen Weihnachtsfeier am Donnerstag mit den alten Teamkolleginnen und macht sich dafür stark, nicht länger vom Erbe oder Schatten Neuners zu sprechen.

"Die Miri hat ja schon gesagt, dass sie das ewige Neuner-Gerede nervt", verweist sie auf Gössners SPORT1-Interview, "und hat damit ein starkes Zeichen gesetzt!" (BERICHT: Genervte Gössner: Neuner-Gerede muss aufhören)

Turnschuh statt Bolide

Starke Worte sind auch neben weiten Würfen die Paradedisziplin von Harting. Der zeigte sich überaus stolz, dass er "und nicht jemand aus einer sehr vom Kapital getragenen Sportart wie der Formel 1" gewonnen hat.

Anders als Sebastian Vettels Boliden könne sich schließlich jeder Turnschuhe leisten. Vettel, Sportler des Jahres 2010, landete diesmal mit deutlichem Rückstand auf Platz 2, gefolgt vom Turner Marcel Nguyen, der in London Silber am Barren und im Mehrkampf errungen hatte.

Harting indes hofft, dass er von den Journalisten nicht nur für seinen binnen zwölf Monaten einmaligen Gold-Hattrick bei WM, EM und Olympia, sondern auch für seine sportpolitische Einmischung und die wiederholte Kritik an DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach gewählt wurde.

Bach und Harting nicht versöhnt

Auch wenn es zu einem leichten Handschlag der Beiden kam (Harting: "Der weiß, wie er sich in der Öffentlichkeit zu verhalten hat"), fühlt sich der Berliner als Nörgler abgestempelt und will nun neue Wege gehen, um den olympischen Sport lukrativer zu machen.

"Ich will nicht mehr länger gegen eine Wand reden, die nicht antwortet", sagt er.

Und womöglich wäre der Streit noch schärfer hochgekocht und hätte den Abend beherrscht, wäre da nicht Neuners Präsenz gewesen.

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