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Robert Hartings Bestweite im Diskuswerfen liegt bei 70,66 m © getty

Nach seiner Wahl zum Sportler des Jahres will Diskus-Hulk Harting selbst Geld für Sportler beschaffen und Weltrekorde aufstellen.

Aus Baden-Baden berichtet Michael Spandern

Baden-Baden - Als Rudi Cerne lernen wollte, wie er seine Kleidung zerfetzt, antwortete Robert Harting beinahe philosophisch: "Mit dem richtigen Impuls kriegst du alles kaputt."

Und der Impuls ist Hartings Stärke, im Diskusring, beim ritualisierten Zerreißen seines Trikots und beim schlagfertigen Antworten.

Doch in Baden-Baden (Bericht) legte er es nicht darauf an, textilen oder zwischenmenschlichen Schaden anzurichten - im Gegenteil. Sein feines silbergraues Jackett ließ er fast unzerknittert, und auch in Sachen Funktionärskritik hielt er sich merklich zurück.

Fördermodell mit Unternehmergeld

Sogar einen zögerlichen Handschlag von Dr. Thomas Bach, den er unlängst als blass und selbstgefällig abgekanzelt hatte, nahm er an.

Womöglich, weil er beweisen will, dass es beim Streit um die Finanzierung olympischer Spitzensportler um mehr als Personen geht.

Etwas nebulös - dafür warb er um Verständnis - kündigte er ein eigenes Vorhaben an, Gelder zu beschaffen: "Ich arbeitete mit einem Unternehmer, der Geld und Ideen hat, an einem neuen Fördermodell. Das läuft über die Politik. Es ist sicher nicht einfach zu realisieren. Es gibt da ein paar knifflige Punkte."

Kraftmeier muss Ausdauer beweisen

Harting als Strippenzieher, der nicht zu viel verraten darf. Der die Politik ins Boot holt, aber "einen Bogen um den DOSB schlägt", wie er sagt. Klingt, als sei das eine architektonische Leistung.

"Ich hoffe, dass das Modell im Frühjahr auf starken Beinen steht."

Der 2,01-Meter-Mann mit den breiten Schultern hat sich viel aufgebürdet. Hat er neben der immensen Kraft auch einen langen Atem?

"Als Langstreckenläufer bin ich überhaupt nicht zu gebrauchen", scherzt er bei SPORT1. "Da geht mir nach ein paar Metern die Puste aus."

Nicht in der Lage aufzuhören

Doch der Wille, es sich und den Kritikern zu beweisen, hat den Studenten der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation schon manche Hürde meistern lassen.

Und die innere Unzufriedenheit, die ihn umtreibt, ist auch nach WM-, EM und Olympiagold binnen zwölf Monaten sowie der Wahl zum Sportler des Jahres nicht völlig verflogen, erläutert er SPORT1.

"Ich bin schon superglücklich als Olympiasieger und unheimlich stolz auf diese Wahl, doch das heißt ja nicht, dass ich jetzt mit 28 aufhöre." Das sei schließlich der Zenith eines Diskuswerfers, und er sei "gar nicht in der Verfassung", sich von seinem Sport trennen zu können

Zwei Weltrekorde in Sichtweite

Das Fernziel heißt Olympia 2016 in Rio, aber schon in Kürze hat er einen Weltrekord auf der Agenda.

Wenn er beim Werfercup in Wiesbaden am 19. Mai seine Saison einläutet und erneut gewinnt, umfasst die Siegesserie 1016 Tage - 13 mehr als die bestehende Bestmarke. Denkbar ist aber auch, dass Harting erst eine Woche später bei den Werfertagen in Halle wieder antritt.

Zudem jagt Harting ja auch Virgilijus Aleknas' Rekordserie von 37 Siegen in Folge; Harting steht derzeit bei 33.

Schmerzen dank Röntgen-Bestrahlung weg

Und dann ist da auch noch der wichtigste aller Rekorde, Jürgen Schults Fabelweite von 74,08 Metern, die er zu DDR-Zeiten 1986 warf. "Das wäre ein Traum", meint Harting, "dafür müsste ich ein rundum gutes Jahr erwischen."

Die Voraussetzungen dafür sind gegeben. Im ausklingenden Jahr kämpfte er permanent mit Knieschmerzen, nahm fast durchgehend Schmerzmittel. "Für den Erfolg hab ich das gern getan", sagt er SPORT1, aber so konnte es nicht weitergehen."

Doch nun ist er schmerzfrei, und auch sein Arzt zufrieden. Harting erklärt SPORT1, dass er eine neue Behandlung wählte: mit Röntgen-Bestrahlung. "Die Schmerzen waren so lange da, dass ich sie im Kopf auch noch wahrgenommen habe, als sie eigentlich schon weg waren." Durch den neuen Reiz habe sich das geändert.

Ein sanfter Impuls, und ein heilsamer. Vielleicht ist das ja auch Hartings Vorgehen im Kampf um mehr Gelder für olympische Spitzensportler.