Die russische Equipe sorgt bei der Biathlon-WM für Negativschlagzeilen. Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert sich an vergangene Zeiten.

Der Doping-Skandal der Russen erschüttert derzeit die Biathlon-Szene während der WM in Pyeongchang.

Doch was machen die Betroffenen? Sie spielen das Unschuldslamm und vergnügen sich auf dem Rückflug von Südkorea. Kein Teamkollege ist empört - ganz im Gegenteil: Die Sünder werden auch noch in Schutz genommen.

Anders im Februar 1997. Die Nordische Ski-WM hatte auch damals in Trondheim ihren Doping-Skandal. Noch vor dem Staffel-Rennen der Frauen wurde Ljubow Jegorowa des Dopings überführt. Eine Russin. Doch damals nahmen die Teamkolleginnen das nicht so hin. Sie waren verärgert.

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Vor allem die überragende russische Langläuferin Jelena Välbe. Sie war über das Vergehen von Jegorowa so empört, dass sie sich noch vor dem Start das Stadion-Mikrofon geben ließ. Vor rund 50.000 Menschen, darunter auch Norwegens König Harald, klagte sie ihre Teamkollegin an und entschuldigte sich öffentlich für sie bei den vielen Ski-Fans.

Doch trotz aller Bitterkeit und trotz allen Ernstes der Situation hatte die Szene doch noch einen humoristischen Touch. König Harald blickte und hörte von seiner Landhaus-Terasse gespannt zu, was Jelena Välbe sagte.

Die Russin sprach vor den meist norwegischen Fans auf deutsch und begann mit den unbeholfenen Worten: "Guten Morgen Publikum, guten Morgen König?."

Nach der Ansprache gab's für Jelena Välbe riesigen Beifall und stehende Ovationen. Die Norweger hatten die auf Deutsch sprechende Russin gut verstanden - auch König Harald. Für ihn war die kleine Russin die Heldin dieser WM.

Wolfgang Kleine

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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