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Ronnie O'Sullivan hat am 26. Februar seinen Rücktritt vom Rücktritt verkündet © getty

Der auch im Suff geniale Ronnie O'Sullivan wollte eigentlich Abstand gewinnen. Nun will der Weltmeister seinen Titel verteidigen.

Sheffield/München - Das Genie mit dem Queue wagt das nächste Experiment:

Wenn Superstar Ronnie O'Sullivan am Samstag nach seiner einjährigen Pause auf die Snooker-Bühne zurückkehrt, ist mal wieder alles möglich: Titelverteidigung? Erstrunden-Aus?

"Das ist wie meine eigene Reality-Show. Es könnte wie ein Autounfall enden, es könnte gut gehen. Man weiß es einfach nicht", sagte der viermalige Champion.

Um 10.00 Uhr Ortszeit (11.00 Uhr/MESZ) werden sich die Vorhänge des altehrwürdigen Crucible Theatre in Sheffield öffnen, und "The Rocket" hofft im ersten Spiel der WM auf einen perfekten Start.

Der Schotte Marcus Campbell wird O'Sullivan dann herausfordern, ein No-Name also, aber selbst daran könnte der Ballvirtuose aus Wordsley scheitern.

"Ich spiele oft gut. Und jeder sollte mich auf dem Zettel haben, wenn ich gut spiele", sagte O'Sullivan: "Aber wer weiß schon, ob ich das dann auch wirklich mache?"

Comeback statt Farm

Ein gehörige Portion Selbstironie schwingt in den Worten des exzentrischen Stars mit, der in diesen Tagen äußert gelöst und entspannt wirkt.

Am 26. Februar hatte O'Sullivan nach seinem überraschenden Rückzug im vergangenen Jahr seine Rückkehr verkündet. Gerade rechtzeitig noch, denn nur wenige Tage später endete die Meldefrist für die WM.

"Das Spiel mit dem Ball ist einfach besser, als auf der Farm zu arbeiten. Ich habe das versucht, aber ich bin einfach wahnsinnig geworden", sprach der 37-Jährige über die Pause.

Abspecken für die Rückkehr

Auf einem Bauernhof mistete er die Ställe aus, tauschte Abendgarderobe gegen Gummistiefel ein.

Eigentlich wollte er aber immer wieder am 3,55 m langen und 1,77 m breiten Snookertisch stehen. Mehr als sonst habe O'Sullivan deshalb trainiert. Vier, manchmal sogar fünf Stunden lochte er die Kugeln im Akkord mit traumwandlerischer Sicherheit ein.

Für Abwechslung sorgte ein ausgewogenes Fitness-Programm.

"Das war wirklich hart für mich", gestand der Star der Szene: "Aber wenn ich vor Hunderten Menschen stehe, will ich doch nicht fett sein."

Alkohol- und Drogen-Exzesse

Disziplin und O'Sullivan - zwei Dinge, die in der Vergangenheit nur selten zusammenpassten.

Alkohol-Eskapaden, Drogenexzesse, Marihuana-Partys - in einer Sportart, in der das Öffnen der Weste schon als emotionaler Ausbruch gilt, war der Engländer häufig eher Rowdy statt Gentleman.

Aber O'Sullivan ist nun mal ein Genie mit zwei Fratzen.

"Das ist einfach meine Persönlichkeit", sagt er lapidar: "Wenn ich trinke, dann die Nacht durch."

Bestleistung im Suff

Dass er ausgerechnet bei einem Privatspiel nach einem Saufgelage seine Bestform erreicht haben soll, ist bezeichnend.

Mit seinem Kollegen Jimmy White hatte er gespielt - "wie im Rausch" gelangen ihm in sechs von elf Frames mehr als 100 Punkte.

"Es war das Beste, was ich je gespielt habe", sagte er danach.

Berauscht oder gar alkoholisiert wird O'Sullivan in diesen Tagen wohl kaum ins Rampenlicht treten, für seine Kollegen ist er aber dennoch ein ganz heißer Titelaspirant.

"Wenn jemand nach einer langen Pause direkt wieder Weltmeister werden kann, dann er", sagte der Weltranglistenerste Mark Selby, der bei den Buchmachern als Favorit gehandelt wird.

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