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Fuentes war Teamarzt von Liberty Seguros-Würth bevor das Team 2007 aufgelöst wurde © getty

Der spanische Doping-Arzt wird zu einem langen Berufsverbot verurteilt, Fuentes' einjährige Haftstrafe aber zur Bewährung ausgesetzt.

Madrid/München - Schuldspruch statt Freispruch - kein Gefängnis, aber vier Jahre Berufsverbot:

Die Operacion Puerto ist nach sieben Jahren mit einem empfindlichen Urteil gegen den Dopingarzt Eufemiano Fuentes zu Ende gegangen.

Ein Jahr Haft, die er nach spanischem Recht allerdings nicht antreten muss, plus Berufsverbot lautet die Strafe gegen den umstrittenen spanischen Mediziner vor der 21. Kammer des Juzgados de lo Penal in Madrid.

Hinzu kommt eine Geldbuße in Höhe von rund 4500 Euro.

Blutbeutel von Fuentes' Kunden nicht veröffentlicht

Großer Wermutstropfen für alle Anti-Doping-Kämpfer: Die Blutbeutel von rund 200 Spitzenathleten, die meisten davon Radsportler, will Richterin Julia Patricia Santamaria nicht veröffentlichen.

Auch die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, die dies vehement gefordert hatte, muss weiter im Dunkeln tappen.

Santamaria erklärte am Ende des dreimonatigen Prozesses, eine Freigabe würde die Persönlichkeitsrechte der Sportler verletzen.

Dagegen will die spanische Anti-Doping-Agentur klagen. Ist sie damit nicht erfolgreich, müssen die 2006 bei der Operacion Puerto gesicherten Blutbeutel und Beweise für Dopingverstöße zahlreicher Weltklasse-Athleten vernichtet werden.

Berufung möglich

Offen ist, ob die Verteidigung des 55-jährigen Fuentes in die Berufung geht. Dies hatte sie für den Fall angekündigt, dass das Urteil nicht ihren Interessen entspräche. Berufung müsste spätestens zehn Werktage nach dem Urteil vor der Audiencia Provincial (Landgericht) in Madrid eingelegt werden.

Fuentes hatte auf einen Freispruch gehofft, allerdings hatten ihm bis zu zwei Jahre Haft gedroht. Trotz der Ein-Jahres-Strafe muss er nach spanischem Recht nicht ins Gefängnis, weil unter zwei Jahren Haft verhängt wurden und Fuentes nicht vorbestraft ist.

Wegen des damals fehlenden Anti-Doping-Gesetzes in Spanien war Fuentes nur wegen "Gefährdung der öffentlichen Gesundheit" angeklagt worden.

Mitangeklagte kommen glimpflich davon

Verurteilt wurde ansonsten nur einer von vier Mitangeklagten. Vier Monate Haft, die ebenfalls nicht anzutreten sind, und vier Monate Berufsverbot erhielt Jose Ignacio Labarta.

Freigesprochen wurden Fuentes' ebenfalls in der Medizin tätige Schwester Yolanda sowie die früheren Teamchefs Manolo Saiz und Vicente Belda.

Abgewiesen wurde die 180.000-Euro-Schadenersatzklage von Ex-Radprofi Jesus Manzano gegen Fuentes. Die Richterin vertrat die Auffassung, er habe sich der Behandlung freiwillig unterzogen und sei sich der Konsequenzen bewusst gewesen.

"Mehr als man erwarte konnte"

"Dieses Urteil ist ein Novum. Ich bin beeindruckt", sagte Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke, der zuvor "einen Freispruch, allenfalls eine Pipistrafe" erwartet hatte.

Der Heidelberger Molekularbiologe verwies darauf, dass dieses Urteil vergleichbare deutsche Rechtssprüche überträfe: "Noch nie gab es für einen deutschen Mediziner mehr als eine Geldstrafe, Haft wurde noch nie gegen einen Arzt in Deutschland beantragt."

Auch Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk, Sportbeauftragte von Transparency International, war positiv überrascht.

"Das ist mehr, als man erwarten konnte. Ich habe eher befürchtet, dass er freigesprochen wird", sagte Schenk: "Auch wenn es nun nicht zu einer Gefängnisstrafe gekommen ist sondern nur zur Bewährung, kann man nur sagen: immerhin!"

Nicht nur der Radsport betroffen

Laut Anklage hätte das Urteil allerdings noch deutlich höher ausfallen können. Allein zwischen 2003 und 2006 soll Fuentes rund 200 Sportler betreut haben, nach eigener Aussage neben Radprofis auch Fußballer, Boxer, Tennisspieler und Leichtathleten.

Vor der Tour de France 2006 war Fuentes bei der "Operacion Puerto" aufgeflogen, bei seiner Verhaftung beschlagnahmte die Polizei rund 200 Blutbeutel und weitere Dopingmittel.

"Therapeutisches Doping"

Fuentes bestritt vehement, er habe mit seinen Behandlungen die Gesundheit der Sportler gefährdet.

"Es könnte sein, dass es möglicherweise sportliches Doping gewesen ist. Ich würde es aber eher als therapeutisches Doping bezeichnen, also als einen Gebrauch von Dopingsubstanzen mit einem therapeutischen Ziel: größeren Schaden zu verhindern", erklärte Fuentes. (BERICHT: Skandal um Holczer).

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