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Eufemiano Fuentes betreute 1984 die spanische Olympiamannschaft in Los Angeles © getty

Mediziner Fuentes ist verurteilt, nach sieben Jahren ist die "Operacion Puerto" beendet. SPORT1 dokumentiert den Fall.

München - Die wohl umfassendste Dopingermittlung in der Geschichte des Sports ist zumindest gerichtlich beendet.

Der spanische Skandal-Arzt Eufemiano Fuentes ist von der Strafkammer des Juzgados de lo Penal in Madrid für ein Jahr Haft auf Bewährung und vier Jahren Berufsverbot verurteilt worden. (BERICHT: Fuentes aus dem Verkehr gezogen)

In der sogenannten "Operacion Puerto" wurde nach den Enthüllungen um Radprofi Roberto Heras auch Fußballer von Real Madrid und dem FC Barcelona verdächtigt mit dem Mediziner in Kontakt gestanden zu haben.

SPORT1 dokumentiert seinen Fall.

17. September 2005:

Der Radprofi Roberto Heras wird bei der Spanien-Rundfahrt, die er gewann, positiv auf EPO getestet. Dieser Vorfall gilt als zentraler Ausgangspunkt der Ermittlungen der Guardia Civil.

23. Mai 2006:

Im Zuge von Razzien werden in Madrid und Saragossa insgesamt fünf Personen, darunter der Frauenarzt Eufemiano Fuentes, festgenommen.

25. Mai 2006:

Jan Ullrich gerät in Verdacht, Kunde von Fuentes gewesen zu sein. Sein T-Mobile-Team bestreitet dies.

30. Juni 2006:

Am Tag des Startes der Tour de France wurden auf Druck des Veranstalters ASO insgesamt neun verdächtige Radsportler von der Frankreich-Rundfahrt ausgeschlossen. Vom Team T-Mobile sind Jan Ullrich und Oscar Sevilla betroffen.

4. Juli 2006:

Fuentes sagt im Interview mit dem spanischen Radiosender "Cadena Ser": "Auch Sportler anderer Sportarten wurden betreut, besonders Fußballer. Namen, die auftauchen müssten, wurden noch nicht genannt, ich weiß nicht warum."

20. Juli 2006:

Die Bielefelder Rechtswissenschaftlerin und Kriminologin Britta Bannenberg erstattet Anzeige gegen Jan Ullrich wegen Betruges, der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke schließt sich kurz darauf an.

August 2006:

Die Bonner Staatsanwaltschaft nimmt die Ermittlungen auf.

9. Oktober 2006:

Die Staatsanwaltschaft Madrid verfügt, dass kein Radsportverband belastendes Material aus der "Operacion Puerto" für eigene Verfahren benutzen darf. Das Verfahren müsse zunächst beendet werden.

24. November 2006:

Spanische Medien berichten, dass in 8 von 90 in Fuentes' Wohnungen gefundenen Blutbeuteln EPO nachgewiesen wurde. Doping ist in Spanien kein krimineller Tatbestand. Fuentes droht jedoch eine Anklage wegen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit.

8. Dezember 2006:

Die französische Tageszeitung "Le Monde" interviewt Fuentes und schreibt dann über Verstrickungen mehrerer spanischer Fußball-Klubs, darunter Real Madrid und der FC Barcelona. Fuentes dementiert seine Aussagen öffentlich, bestätigt sie aber angeblich intern. Real und Barca verklagen Le Monde auf je drei Millionen Euro Schadenersatz, Le Monde muss schließlich je 15.000 Euro zahlen.

26. Februar 2007:

Jan Ullrich kündigt während einer Pressekonferenz in Hamburg sein Karriereende an. Nach einem 43-minütigen Monolog ließ er keine Fragen zu. Erst in einem späteren "Bild"-Interview bestritt er erneut Doping: "Niemals. Ganz klipp und klar."

9. Juli 2007:

Jan Ullrichs langjähriger Betreuer Rudy Pevenage bestätigt Kontakte zu Fuentes.

12. März 2007:

Die spanische Justiz beendet die "Operacion Puerto". Gut ein Jahr später werden erneut Ermittlungen aufgenommen und im Oktober 2008 wieder abgebrochen.

14. April 2008:

Die Staatsanwaltschaft Bonn stellt das Verfahren gegen Jan Ullrich gegen eine Zahlung in sechsstelliger Höhe an eine gemeinnützige Einrichtung und die Staatskasse ein. Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel stellte dennoch fest: "Unsere Ermittlungen über 21 Monate haben ergeben: Jan Ullrich hat gedopt." Ullrich erklärte: "Die Zahlung ist kein Schuldeingeständnis. Ein Geständnis konnte es auch deshalb nicht geben, weil es keinen Betrogenen gibt."

10. Januar 2011:

Alberto Leon, ehemaliger Mountainbiker und Fuentes' mutmaßlicher Kurier, erhängt sich in seinem Haus.

15. März 2011:

Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Eufemiano Fuentes, dessen Schwester Yolanda, den ehemaligen Radsport-Manager Manolo Saiz und zwei weitere Fuentes-Komplizen wegen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit.

28. Januar 2013:

Erster Verhandlungstag.

30. April 2013:

Fuentes wird zu einem Jahr Haft, die nach spanischem Recht auf Bewährung ausgesetzt wird, vier Jahren Berufsverbot und 4500 Euro Geldstrafe verurteilt. Vier Monate (auf Bewährung) und vier Monate Berufsverbot erhielt der Mitangeklagte Jose Ignacio Labarta.

Freigesprochen wurden Fuentes' Schwester Yolanda sowie die früheren Teamchefs Manolo Saiz und Vicente Belda. Die Blutbeutel der rund 200 Spitzenathleten bleiben unter Verschluss. Richterin Julia Patricia Santamaria argumentiert, eine Freigabe würde die Persönlichkeitsrechte der Sportler verletzen.

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