Jean Löring unterhielt Fans und Medien mit fast unvergleichlichen Dingen. Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine erzählt.

Millionäre im Fußball, gestylt, teils auch sprachtalentiert, aalglatt und windschnittig. So ist es oft heute. Wo bleiben die "Ente", das "Ungeheuer", der "Sepp" und der "Otto"? Willi Lippens, Horst Hrubesch, Sepp Maier und Wolfgang Kleff sind die Figuren der Vergangenheit.

Sie waren Originale auf dem Spielfeld. Aber einer war es am Rande: Der am 6. März 2005 verstorbene Jean Löring.

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"De Schäng", wie der langjährige Präsident von Fortuna Köln in seiner Heimatstadt genannt wurde, war der "König von Zollstock". Löring unterhielt nicht nur die Fans, auch die Medien mit fast unvergleichlichen Dingen.

So war es an einem Freitagabend, als die Fortuna in der Zweiten Liga nach 60 Minuten mit 2:0 führte. Da ging das Flutlicht im Südstadion aus. Der Schiedsrichter unterbrach die Partie und drohte Löring: "Ich gebe Ihnen 20 Minuten, um das Problem zu beheben, sonst breche ich das Spiel endgültig ab."

Löring, gelernter Elektriker schaltete sofort. Er rannte in den Elektrik-Raum, hantierte und bastelte - vorerst ohne Erfolg. Die wenigen Fans bangten um den möglichen Sieg. Dann ging plötzlich nach 15 Minuten das Licht wieder an. Das Spiel lief weiter - bis zum Schluss.

Nach der Partie kam Jean Löring völlig erschöpft aus den Katakomben des Stadions. "Ich muss mich erst einmal richtig massieren lassen." Und dann kam raus. Er hatte 30 Minuten lang die beiden Enden des dicken Stromkabels, das gerissen war, mit den eigenen Händen zusammengehalten. Bis zur Erschöpfung.

Der zweite große Coup von Löring spielte sich am 15. Dezember 1999 in der Halbzeit-Pause der Partie gegen SVW Mannheim ab. Die Partie stand 0:2. Die Niederlage drohte. Löring hatte die Nase voll. Er stürmte in die Kabine und feuerte den damaligen Trainer Toni Schumacher auf der Stelle.

Der Ex-Nationalkeeper verließ die Mannschaft, Löring machte nach dem Motto "Hier kocht der Chef selbst" und setzte sich auf die Bank. Unter seiner Regie verlor die Fortuna schließlich 1:5. Auf die Frage der Journalisten, warum er Schumacher so plötzlich gefeuert habe, antwortete Löring: "Ich als Verein musste reagieren."

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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