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Bei Olympia in Peking erreichte Sebastian Bayer nur 7,77 Meter © getty

Das Erstaunen über Sebastian Bayers historischen 8,71-Meter-Sprung ist gerade erst abgeebbt. Da melden sich erste Kritiker.

Von Andreas Kloo

München - Die Zweifel an Sebastian Bayers historischer Leistung ließen nicht lange auf sich warten.

8,71 Meter hatte der deutsche Weitspringer bei den Hallen-Europameisterschaften in Turin in die Sandgrube gesetzt. Seine Bestleistung lag bis dahin bei 8,17 Metern.

"Klar, dass das angezweifelt wird", zeigt sich Weitsprung-Bundestrainer Uwe Florczak nicht verwundert.

Aber nicht von Doping ist in den ersten skeptischen Stimmen aus Spanien die Rede. Jose Maria Odriozala, der Chef des spanischen Leichtathletik-Verbandes, vermutet vielmehr eine Fehlmessung des Kampfrichters.

"Das war keiner dieser Sprünge, bei denen Du sagst: 'Das waren bestimmt 8,71'", wird der Funktionär in der "SZ" zitiert.

"Dann fresse ich meinen Sombrero"

Angeblich saß Odriozola direkt auf der Höhe der Sprunggrube. Er schätzt Bayers erzielte Weite auf höchstens 8,50 Meter. 77978(DIASHOW: Bayers Sprung in die Annalen)

Für den Fall, dass sich bei einer Computeranimation herausstellen würde, das er sich irre, verspricht der Funktionär Ungewöhnliches: "Dann fresse ich halt meinen Sombrero."

Um seinen Äußerungen Nachdruck zu verleihen, weist der 69-Jährige noch daraufhin, dass der zuständige Kampfrichter nicht mehr der Jüngste gewesen sei und bereits zuvor beim Dreisprung der Frauen für Proteste gesorgt hätte.

Keine Untersuchung des Verbandes

Das Pikante an Odriozolas Vorwürfen: Der bisherige Hallen-Europarekordler kam aus Spanien. Bis zu Bayers Traumsprung hatte Yago Lamela mit 8,56 Meter den Rekord inne.

Der europäische Leichtathletik-Verband EAA wird auf die spanischen Verdächtigungen nicht reagieren: "Wir haben keine Untersuchung vorgesehen, es gibt auch keine Anfrage. Für uns ist das Ergebnis offiziell", sagte ein Sprecher am Mittwoch.

"Totaler Quatsch"

Für Bayers Heimtrainer Joachim Schulz sind die Äußerungen Odriozolas "totaler Quatsch". Bundestrainer Florczak saß ebenfalls auf Höhe der Sprunggrube und ist sich sicher, dass der Satz seines Schützlings " auf jeden Fall weiter als 8,60 Meter war."

Die Proteste gegen den Kampfrichter hätten sich außerdem nicht gegen die Weitenmessung gerichtet. Vielmehr ging es darum, ob die Springer den Absprungbalken regulär getroffen hatten oder nicht.

Bayer nennt Hallenboden als Hauptgrund

Sebastian Bayer selbst fiel zwar bereits während des Wettbewerbs eine ungewöhnliche Häufung von Höchstweiten auf:

"Auf einmal springt Nils 8,22 Meter, der Pole Marcin Starzak 8,18 Meter. Da war mir klar, das wird auch in der Masse der Top-Weiten ein Ergebnis, das in die Geschichtsbücher eingehen wird", erzählt Bayer bei Sport1.de.(Bayer im Interview: "Gänsehaut-Feeling pur")

Der 22-Jährige erklärt dies aber mit dem idealen Hallenboden, der beim Absprung leicht nachgibt. "Draußen ist das grundsätzlich nicht möglich", ist sich der neue Europarekordler sicher.

8, 30 Meter als WM-Vorgabe

Damit bremst er gleichzeitig die Erwartungen an sich, die nach der unglaublichen Leistungssteigerung stark steigen werden.

Für die WM in Berlin gibt Bayers Heimtrainer Joachim Schulz ein bescheiden wirkende Vorgabe: "Da sind 8,30 das Ziel, egal bei welchem Wetter."

Expertenzweifel

Ohnehin trauen die Experten Bayer eine Wiederholung seines Kunststücks nicht zu: "Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass er die Weite jemals noch mal erreicht", meint Odriozola.

In dieser Hinsicht pflichtet der ehemalige Deutsche Rekordhalter Dietmar Haaf dem spanischen Verbandschef bei. Auch Haaf zweifelt, "ob er noch mal 8,70 m springen kann".

Doch darauf hat Schulz seinen Athleten bereits vorbereitet und Bayer erklärt, "dass es auch wieder Wettkämpfe geben wird, wo Du 7,95 springst."

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