Die abgedroschenen Phrasen der Fußballer sollte man nicht wörtlich nehmen, wie Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine aufzeigt.

Da ist man als Beobachter hinterher genauso schlau wie vorher. Hannes Löhr hatte als Trainer mit dem 1. FC Köln am 19. Oktober 1983 im Pokalsieger-Achtelfinale bei Ujpest Budapest mit 1:3 verloren.

Und dann warteten alle Journalisten bei der Pressekonferenz vor dem Rückspiel gegen die Ungarn am 2. November im Müngersdorfer Stadion auf die erleuchtenden Aussagen des Trainers, wie man die Sache noch erfolgreich drehen könnte.

Alle waren gespannt. Die Frage: "Was machen Sie, um gegen Budapest hoch zu gewinnen?" Löhrs Antwort: "Wir spielen voll auf Sieg."

War der sonst sehr humorvolle Löhr nun ein Schlitzohr, um Journalisten und Gegner im Unklaren zu lassen, oder fiel auch damals schon den Trainern bei der Masse von abzugebenden Statements nicht mehr viel ein?

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Phrasen, nichts als Phrasen. Um Journalisten, Zuschauer, Hörer, Leser und User vor Spielen abzufrühstücken, wird palavert:

"Wir zerreißen uns!" Man stelle sich das vor!

"Wir kämpfen bis zum Umfallen." Das muss verhindert werden!

"Es gibt keinen leichten Gegner." Woher denn auch?

"Heute müssen wir Gras fressen." Da freut sich der Platzwart.

"Wille versetzt Berge". Wo sollen wir dann Skilaufen?

"Ball und Gegner laufen lassen." Wen denn sonst?

Martialisch, humorlos und einfallslos! Da lobe ich mir den "Kaiser" ("Schaun mer mal").

Franz Beckenbauer erklärte nach einem grottenschlechten Kick im Münchner Lokalderby zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860: "Das war wie Obergiesing gegen Untergiesing."

Und da lobe ich mir den Einfall des Kölner "Express". Nachdem der FC acht Spiele in Folge kein Tor erzielt hatte, titelte das Blatt auf der Sportseite mit einer Fotomontage. Es war ein großes leeres Tor und ein Ball zu sehen. Die Zeile: "Hier ist der Ball, da muss er rein!"

Ein Leser rief in der Redaktion an, ihm wäre vor lauter Spaß die Kaffeetasse aus der Hand gefallen.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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