Dass man sich die Methoden des US-Sports nicht immer zum Vorbild nehmen sollte, zeigt Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine auf.

Die Meldung haut einen im ersten Moment fast um: Da wird der Baseball-Pitcher Kelvin Pichardo von den San Francisco Giants zwei Wochen vor dem MLB-Start wegen Dopingmissbrauchs für 50 Spiele gesperrt.

Übertragen auf die Fußball-Bundesliga mit 34 Saison-Begegnungen hieße das: Der arme Mann müsste eine und eine halbe Saison aussetzen. Verdammt lang!

Nicht so in der MLB. Überspitzt formuliert: Kelvin Pichardo muss doch nur eine Woche pausieren.

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Der Wahnsinn hat im US Sport Methode. Über 160 Liga-Spiele im Baseball, 82 Partien in der Regular Season der NHL und 82 in der NBA. Die millionenschweren Spieler müssen ja bezahlt werden.

Sport rund um die Uhr

Zwei Spiele finden oft in der MLB an einem Tag statt - warum nicht gleich drei? Da könnte der US-Fan von morgens sechs bis nachts um 24 Uhr doch im Stadion seine Freizeit verbringen. Picknick machen, Hamburger und Popcorn vertilgen, ab und zu auch aufs Spielfeld schauen, etwas trinken - und das Klatschen nicht vergessen.

Jeden Tag ein Liga-Spiel. Dirk Nowitzki gewinnt, Nowitzki verliert, Dallas hat die Serie von drei Siegen in Folge in dieser einen Woche fortgesetzt. Die Mavericks auf dem Playoff-Platz, die Mavs haben den Playoff-Platz wieder verloren - usw., usw.! Und das alles in einer Woche.

DEL zieht nach

In Deutschland, im Staate der Nachäffer, kamen die Leute vom Eishockey auch auf die Idee. Man muss doch dem Fan in einer Saison viel bieten - und Geld aus der Tasche ziehen. So schuf man die DEL. Erst mit 44 Vorrunden-Spielen für die 18 Mannschaften, von denen eine gleich wieder absprang. Eine Marionetten-Liga. Solche Bezeichnung brachte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke schon einmal auf die Palme.

16 aus 17

Es wurde gespielt und gespielt, mehrfach die Woche. Ein Düsseldorfer Kollege glossierte das Treiben: "Warum spielt die DEG nicht gleich einmal morgens und einmal abends?"

So blieben 17 Teams übrig, die 44 Saisonspiele brauchten, um eine Mannschaft herauszufinden, die nicht an der Playoff-Runde der besten 16 teilnehmen durfte. Damals waren es die Eisbären aus Berlin.

Damit die Posse dann auch weitergeführt werden konnte, wurden dem ausgeschiedenen Team zum Tränentrocknen 100.000 Mark als "Entschädigung" für schwache Leistungen gegeben.

Ratingen hatte sich gerade noch mit Mühe als 16. Team qualifiziert, schied dann aber in drei Spielen, davon ein Heimspiel, gegen die DEG aus. Der Trost: Die Ratinger kassierten mit dem Heimspiel gerade mal 50.000 Mark - die Hälfte von dem, das die schlechteren Eisbären einstrichen? Na, denn!

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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