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Ungefähr 300 Blutkonserven sollen zu Dopingzwecken hergestellt worden sein © getty

In Österreichs Doping-Affäre erhärtet sich der Verdacht gegen die "Humanplasma". Gleichzeitig wird Kritik an der WADA laut.

Wien - Die Wiener Blutbank "Humanplasma" rückt im Zuge der österreichischen Doping-Affäre zunehmend in den Mittelpunkt.

Nachdem Radprofi Bernhard Kohl gebeichtet hatte, dreimal zum Blutdoping bei Humanplasma gewesen zu sein, sorgt ein Bericht des Gesundheitsministeriums für weiteren Zündstoff. (Kohl schockt Österreich)

Nach einem Bericht der ARD-"Sportschau" legt das Papier den Verdacht nahe, dass bei Humanplasma umfassend Blutdoping betrieben wurde.

In dem Schriftstück vom März 2008 heißt es: "Es besteht der dringende Verdacht, dass in den Räumen der Firma Humanplasma zwischen Herbst 2003 und Frühjahr 2006 Erythrozytenkonzentrate (Blutkonserven, Anm. d. Red.) in der Größenordnung von maximal 300 Stück hergestellt wurden."

Chemikalien unauffindbar

Die Leitung von Humanplasma habe keinen detaillierten Überblick über alle in den Räumlichkeiten durchgeführten Aktivitäten. Laut des Berichts sei der Verbleib von 90 Prozent der für die Herstellung dieser 300 Blutkonserven notwendigen Chemikalien nicht nachvollziehbar.

Eine Aufzeichnung der Ergebnisse oder eine Verrechnung der Analysen erfolgte nicht. Humanplasma, für das die Unschuldsvermutung gilt, bestreitet eine Verwicklung des Unternehmens.

"Kunden" aus In- und Ausland

Nach diversen Medienberichten sollen außerhalb der normalen Öffnungszeiten Sportler nach Wien gekommen sein. Eine "Nachtschicht" soll laut der österreichischen Tageszeitung Kurier 2000 Euro gekostet haben.

Dutzende Athleten aus dem In- und Ausland sollen bei der Blutbank aufgetaucht sein.

"Spitze des Eisberges"

Österreichs Ermittler und Behörden wollen nun massiv gegen das Doping-Treiben vorgehen.

"Wir wissen, dass die Netzwerke, die in Wien zusammenlaufen, offensichtlich gespeist sind aus Osteuropa. Es ist die Spitze des Eisberges", sagte Sportminister Norbert Darabos: "Wir haben ein Neuntel über dem Wasser und acht Neuntel unter dem Wasser und wir werden jetzt auch nicht zurückschrecken."

Kritik an der WADA

Der langjährige Chefmedizinier des Ski-Weltverbandes, Bengt Saltin, glaubt unterdessen nicht an eine schnelle Aufklärung und hat die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) kritisiert.

"Polizei und Staatsanwaltschaft brauchen kenntnisreiche Leute im Sportlerfeld und die Welt-Anti-Doping-Agentur könnte sie damit beliefern. Doch ich bin nicht sehr optimistisch im Moment. Für mich sieht es so aus, als ob die WADA den Fall nicht ernst genug nimmt", sagte Saltin der "Welt" (Dienstag-Ausgabe).

Blutzentrifuge in Ungarn aufgetaucht

Die von Kohl sowie dessen inhaftierten Ex-Manager Stefan Matschiner ins Gespräch gebrachte Blutzentrifuge wurde unterdessen in einer Privatwohnung in Budapest sichergestellt. Matschiner selbst hatte den Ort des Geräts bei seiner Vernehmung angegeben.

Bei dem Gerät könnte es sich um jene Zentrifuge handeln, mit der Sportler im Zusammenhang mit Humanplasma gedopt worden sein sollen.

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