Ohne Ernährungsberater war Zaire bei der Fußball-WM 1974 chancenlos. Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert sich.

Ernährungsberater, eigene Köche, sportmedizinische und physiotherapeutische Rundumbetreuung.

So ist es heute bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Nudeln, Geflügel, Gemüse, Obst und Salate stehen auf den Tischen für Ballack und Co.

Davon hätte ein Blagoje Vidinic, einst Erfolgstrainer aus Jugoslawien, geträumt.

Der 1,92 Meter lange Ex-Torwart war schon ein geduldiger Mann - zumindest was gewisse Eigenheiten seiner Spieler aus Zaire angeht.

Anlässlich der WM-Endrunde 1974 in Deutschland hatte Vidinic die "Mission impossible" zu erfüllen, das afrikanische Team an die Weltspitze heranzuführen.

Im Hotel "Jagdschlösschen" in Ascheberg bei Münster bereitete Vidinic die Truppe auf die Vorrunden-Duelle gegen Brasilien, Schottland und Jugoslawien vor.

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"Nahrung für den Geist"

Die Aussage von Zaire-Staatschef Mobutu Sese Seko war der Leitfaden: "Wichtiger als Nahrung für den Bauch ist Nahrung für den Geist."

Während Vidinic die Spieler taktisch und athletisch im Griff hatte, liefen ihm die Ernährungsprobleme aus dem Ruder. Der Jugoslawe empfahl Steaks von deutschen Rindern. Doch was nützen schon die Empfehlungen.

So wurde mit Spannung eine Nahrungsmittel-Lieferung aus Zaire erwartet. Und die kam dann auch auf Geheiß von Staatschef Seko zum "Jagdschlösschen" ins beschauliche Münsterland.

Schiri in den Allerwertesten getreten

Als der Container geöffnet wurde, freuten sich die Spieler. Eine Lieferung, die nicht nur in den Medien ausgeschlachtet wurde, sondern Vidinic auch ratlos machte: Schlangen- und Affenfleisch, Fufu, ein Brei aus Yamswurzeln und der Hirsemus Kassawa.

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Das große Fressen auf afrikanisch lag dem Chefcoach schwer im Magen. Vidinic: "Mit Schlangenfraß ist ein Weltmeisterschaftsturnier nicht durchzuhalten." Der schien aber aggressiv zu machen.

Denn: Zaire verlor nicht nur alle Vorrundenspiele (gegen Jugoslawien sogar mit 0:9), sondern auch einen Mann durch eine Rote Karte in der Partie gegen Brasilien. Der hatte dem Schiedsrichter kurzerhand in den Allerwertesten getreten.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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