Die Tragödie von Hillsborough jährt sich zum 20. Mal. Auch Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine wird diesen Tag nie vergessen.

Es gibt Tage, die man schnell vergessen sollte. Es gibt aber auch solche, die man nie vergisst. So einer ist der 15. April 1989.

Ich war der Meldungen überdrüssig, dass im englischen Fußball die Hooligans die Szene der Fußball-Stadien bestimmten. Ausschreitungen hier, Randale dort - und wieder Prügeleien auf den Tribünen und vor den Toren.

Die Katastrophe vom Brüsseler Heysel-Stadion am 29. Mai 1985 beim Europacup-Finale zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin mit den 39 Toten wirkte nach.

Fußball - kein Spiel mehr, sondern meist Anlass für Aggression. Dann kam dieser Tag vor 20 Jahren, der 15. April 1989. Im FA-Cup-Halbfinale trafen der FC Liverpool - wieder mal Liverpool - und Nottingham Forest im Hillsborough-Stadion von Sheffield aufeinander.

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Eigentlich kein Spiel, das in Deutschland ein riesiges Interesse verursacht. Doch dann zeigte das Fernsehen Bilder, die wieder die Erinnerungen an Brüssel 1985 hochkommen ließen.

Menschen drängten sich im Mittelblock des Stadions von Sheffield, immer mehr Menschen. Die Zäune am Spielfeldrand bogen sich. Man sah die Panik in den Gesichtern der Fans. Zuschauer wurden in die Zäune gedrückt, die Tore gingen nicht auf.

Bilder des Grauens, schreiende um Hilfe flehende Fans, niemand konnte helfen. Sie wurden regelrecht zerquetscht. Erst mit Verspätung, als das Spiel schon lief, wurden Tore zum Spielfeld hin geöffnet. Wieder Panik, Zuschauer wurden zertrampelt.

Es war nicht zu fassen. Mir standen bei den TV-Bildern die Tränen in den Augen - Tränen der Trauer, aber auch der Wut.

Als dann auf den Spielfeld die Menschen versorgt wurden, stand das gesamte Ausmaß der Tragödie fest: 96 Tote und 730 Verletzte.

Wenige Wochen später wurde ich wieder an die Katastrophe von Hillsborough erinnert. Wieder saß ich vor dem Fernseher. Ex-Beatle Paul McCartney hatte mit The Christians, Holly Johnson, Gerry Marsden und Stock Aitken Waterman die alte Liverpool-Hymne "Ferry Cross The Mersey" zu Gunsten der Opfer und deren Hinterbliebenen neu aufgenommen.

Im Fernsehen wurde ein Video mit den grausamen Bildern von Hillsborough und den Namen der 96 Toten eingespielt. Dazu die Klänge der Hymne "Ferry Cross The Mersey".

Wieder saß ich vor dem TV-Schirm, erneut kamen mir die Tränen.

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Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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