Bei der Eishockey-WM fehlen viele Stars. Früher war das anders, wie Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert.

Man stelle sich vor, die Fußball-WM beginnt. Doch Superstars wie Ronaldo, Henry, Messi, Rooney, Ballack usw. fehlen den Nationalteams, weil sie für ihre Klubs in der europäischen Champions League spielen.

Anders im Eishockey. Dort startet am Freitag die WM in der Schweiz. Doch die Superstars der Szene aus den USA, aus Kanada, Tschechien, Russland, Schweden, Finnland und der Slowakei müssen für ihre Klubs in der NHL im Kampf um den Stanley Cup ran.

Die WM ein Muster ohne Wert - und das Jahr für Jahr. Vor 40 Jahren war das einmal anders.

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Nur sieben Monate nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppe in die CSSR im August 1968 stand bei der WM 1969 in Stockholm mit allen Superstars das große Duell zwischen der UdSSR und den Tschechoslowaken an. Der Johanneshof platzte vor lauter Zuschauern fast aus den Nähten.

In Prag und überall in der CSSR saßen die Fans bei der Live-Übertragung vor den Fernsehschirmen. Ein Land, aber nicht nur das, fieberte dem großen Match entgegen. Auch in Deutschland wurde die Partie zum Straßenfeger.

Alle dachten an den Einmarsch, an die Niederschlagung des Prager Frühlings - und an die Revanche. Ein Eishockey-Spiel wurde in den Medien zum Politikum. Die Parole hieß: "Wir prügeln den Sack, aber meinen den Esel."

Und so kam es auch an diesem 21. März 1969. Die CSSR-Stars kämpften wie um ihr Leben. Sie warfen sich gegen Größen wie Alexander Ragulin, Anatoli Firsow, Alexander Malzew, Boris Michailow und Alexander Jakuschew in die Schlacht.

Die härtesten Schüsse der Sowjets wurden mit dem Körper abgeblockt. Schmerzen kannte niemand. Die schwedischen Fans waren aus dem Häuschen, als es kurz vor Schluss 2:0 für die CSSR stand. Die Sowjets wurden von Coach Anatoli Tarassow hinter der Bande immer wieder angetrieben.

Eine Angriffswelle der "Sputniks" nach der anderen lief auf das CSSR-Tor. Aber ohne Erfolg.

Als der bärenstarke Verteidiger und damalige Oberst der Sowjet-Armee, Alexander Ragulin, zwei Minuten vor Schluss nach einem Bandencheck für zwei Minuten vom Eis musste, war dann alles entschieden. Aus, Aus - das Spiel war aus.

Die CSSR-Stars lagen jubelnd im Knäuel auf dem Eis.

Und fünf Minuten nach Spielschluss standen wie von Geisterhand befohlen, auf einmal 200.000 Menschen auf dem Prager Wenzelsplatz.

Dort, wo sieben Monate zuvor noch die sowjetischen Panzer standen, feierten sie einen legendären Triumph, der dann sieben Tage später mit einem 4:3-Sieg wiederholt wurde.

Wie hieß es vor dem Spiel: "Sie schlagen den Sack, aber sie meinen den Esel."

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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