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Mihai Paduretu führte Haching beim Pokalfinale gegen Moers im März zum ersten Titel © imago

Hachings Trainer erklärt die Unterschiede zum Finalgegner Friedrichshafen und sagt, warum er nie zum VfB wechseln würde.

Von Katrin Freiburghaus

Unterhaching - Schon vor dem Beginn der Playoffs um die deutsche Volleyballmeisterschaft stand etwas fest, das es lange nicht gegeben hat.

Der VfB Friedrichshafen wird erstmals seit vier Jahren nicht das Double holen, denn den Pokal gewannen in dieser Saison die Jungs von Generali Haching. (Doppelter Festtag für Bayern)

Sie kegelten den Rekordmeister im Halbfinale aus dem Wettbewerb und sicherten sich später gegen Moers den ersten Titel der Vereinsgeschichte.

Die Finalteilnahme um die Meisterschaft gegen den VfB ist ein weiterer Meilenstein in der Hachinger Klubhistorie, die seit zwölf Jahren die Handschrift von Trainer Mihai Paduretu trägt.

Im Gespräch mit Sport1.de erklärt der 42-jährige ehemalige Zuspieler, weshalb der Weg zur Meisterschaft im deutschen Volleyball nur über Europa führt, und warum er nie nach Friedrichshafen wechseln würde.

Sport1.de: In der Vorrunde hatte der VfB Friedrichshafen ziemliche Probleme und wurde hinter Haching nur Zweiter. Wie erklären Sie sich den Aufschwung des VfB im Finale?(Der Zorn des Meisters)

Paduretu: Die waren zwischendurch total verunsichert. Am Koreaner Sung-Min Moon, dem besten Aufschlagspieler der Weltliga, hat man gesehen, dass auch sehr gute Spieler Zeit brauchen. Seit fünf Wochen spielt er, was er kann. Und das gibt der Mannschaft neues Selbstvertrauen. Das macht den Unterschied.

Sport1.de: Wieso ist Friedrichshafen mit neun Meisterschaften aus den letzten elf Jahren derart dominant?

Paduretu: Natürlich spielt Geld eine Rolle, aber daran denken wir jetzt nicht. Der VfB hat natürlich viel Erfahrung in der Champions League. Da spielt die Creme de la Creme. Man wird einfach besser, wenn man dort in der Saison zehn Spiele macht.

Sport1.de: Wie hoch ist Hachings Pokalsieg unter diesen Umständen zu bewerten?

Paduretu: Vor der Saison hat keiner damit gerechnet, dass es jemand anders als Friedrichshafen schafft. Wir waren selber überrascht. Aber wir haben uns das jahrelang erarbeitet.

Sport1.de: Was zeichnet die aktuelle Mannschaft aus?

Paduretu: Die Jungs haben sehr viel trainiert ? nicht, weil die Trainer das gesagt haben, sondern weil ihnen bewusst war, dass sie noch besser werden können. Der Erfolg hat sein Übriges getan, es macht eben Spaß da oben zu spielen.

Sport1.de: Wo soll es langfristig hingehen?

Paduretu: Unser Ziel ist es, im Europacup noch weiter zu kommen als in dieser Saison, denn dort trifft man die guten Mannschaften. Nur so kann man besser werden. Wir brauchen Spiele im Europapokal. Sie sind wichtig für die Erfahrung der Spieler, für die Fans und die Sponsoren.

Sport1.de: Denkt man am Ende einer so erfolgreichen Saison schon an die kommende?

Paduretu: Keiner gibt sich mit dem zufrieden, was wir bis jetzt erreicht haben. Damit der Pokalsieg keine einmalige Geschichte bleibt, müssen wir die Voraussetzungen für die Champions League schaffen. Sonst hat man gegen Friedrichshafen überhaupt keine Chance, weil die seit zehn Jahren dort spielen und dadurch von Jahr zu Jahr besser werden. Wir wollen näher an den VfB heran.

Sport1.de: Sie schauen sich die Dominanz der Friedrichshafener schon eine Weile mit an ? hatten Sie nie Lust, an den Bodensee zu gehen?

Paduretu: Mich hat keiner gefragt und will ich auch nie dorthin wechseln. Stelian Moculescu hat das aufgebaut, es ist sozusagen sein Verein.

Sport1.de: Sie bauen also lieber ihren eigenen Verein auf?

Paduretu: Das ist nicht mein Verein, sondern unser Verein! Als ich hier anfing, haben wir als erstes ein Team von Funktionären aufgebaut, um alles auf viele Schultern zu verteilen. Es ist utopisch, Pokalsieger zu werden, wenn nur einer was macht. Das war harte Arbeit, bei der unsere ehrenamtlichen Helfer deutlich über ihre Grenzen gegangen sind.

Sport1.de: Weggehen ist für Sie also kein Thema?

Paduretu: Es gibt hier noch genug Ziele und Arbeit. Es macht Riesenspaß, mit den Leuten zusammenzuarbeiten ? in unserem Verein.

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