Die Nachricht von Jürgen Klinsmanns Entlassung verbreitete sich rasant. Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert sich an Zeiten, bei denen die Informationen mühsam den Weg in die Öffentlichkeit fanden.

Pressekonferenz des FC Bayern München nach der Entlassung von Trainer Jürgen Klinsmann. Das Fernsehen überträgt live, die anwesenden Journalisten hören sich die eher trockenen Reden des Nachfolgers Jupp Heynckes und die witzigen Einwürfe seines Assistenten Hermann Gerland an der Säbener Straße an.

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Nach der Pressekonferenz hält sich die Hektik in Grenzen. Die Vertreter der Online- und Handy-Generation haben es zwar eilig, ihre Berichte zu formulieren und in die Redaktion abzusetzen, aber sie müssen nicht um die Geräte kämpfen. Jeder Journalist hat sein eigenes Gerät, jeder kann jeden zu jeder Zeit erreichen, oder auch erreicht werden.

So war es nicht immer: Da wurde zwischen Redakteuren und freien Journalisten bei oder nach einem Ereignis um die wenigen bereitgestellten Telefone zur Übermittlung der Berichte an die Aufnahmekräfte der Redaktionen gestritten.

Während der Etappen der Tour de France mussten die vorausfahrenden Kollegen bei Bistros oder Gaststätten halten, um Zwischenberichte abzugeben.

Die einst analogen Telefonverbindungen nahmen in der Tonqualität und -lautstärke mit zunehmender Entfernung zur Redaktion rapide ab.

Ein Kollege hatte neben mir mal eine so schlechte Leitung erwischt, dass er aus Leibeskräften brüllen musste, um sich verständlich zu machen. Das erinnerte eher an einen Tobsuchtsanfall als an eine Sportreportage.

So war DDR-Rundfunkreporter Heinz-Florian Oertel bei einem Länderspiel der DDR in Tirana am 3. November 1973 gegen Albanien am Radio nur brüllend zu verstehen - auch für den Kollegen im Studio.

Die Konferenz mit dem Moderator in Ost-Berlin hörte sich dann so an. Moderator ganz laut: "Heinz-Florian Oertel, ich hörte ein Schreien, ist ein Tor gefallen?" Oertel mit Leibeskräften, kaum zu verstehen: "Ja!". Moderator: "Wer? Für die DDR?". Oertel: "Ja!". Moderator: "Streich?". Oertel: "Ja!" Albanien weiter als der Mond.

Wollte ein Journalist aus dem entfernteren Ausland (Ostblock, Südamerika) in der Redaktion in Deutschland anrufen, musste das so genannte Dringendgespräch gegen zehnfache Gebühr beim Fernamt rechtzeitig vor dem Ereignis angemeldet werden. Wartezeiten bis zu zehn Stunden waren möglich - Geduld war oberstes Gebot.

Doch die wurde in einem Fall arg strapaziert. Es war im September 1967 beim Leichtathletik-Europacup im damals noch sowjetischen Kiew. Ein Kollege wollte am Samstag seinen Bericht des Tages telefonisch absetzen.

Er hatte das Telefonat rechtzeitig auf die zentrale Nummer des Pressehauses in Köln angemeldet und wartete. Er wartete auf dem Hotelzimmer und wartete - sieben, acht, neun, zehn Stunden. Im Pressehaus hatte die Telefonzentrale inzwischen das Haus verlassen und auf die Pförtnerloge umgestellt.

Der völlig überforderte Pförtner musste ständig die Fragen der Leser nach dem Ausgang des Bundesligaspiels des 1. FC Köln beantworten. Er war genervt.

Dann endlich bekam der schon inzwischen ungeduldig wartende Kollege auf dem Hotelzimmer in Kiew das Signal vom Fernamt in Moskau: Die Verbindung nach Köln zur Telefonzentrale des Pressehauses steht. Endlich, der Bericht konnte abgesetzt werden.

Und dann hörte er am anderen Ende in Köln die Stimme des vom Fußball genervten Pförtners: "1:0 für den FC!" Danach legte der Pförtner auf, die Leitung war tot.

Der Kollege soll im Hotelzimmer vor Wut in den Tisch gebissen haben.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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