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Steffi Laier war war viermal Weltmeisterin und dreimal AMA-Champion © imago

Die Motocrosserin Steffi Laier spricht im SPORT1-Interview der Woche über die X-Games in München, wo sie im Enduro startet.

Von Christian Stüwe

München - Steffi Laier hat in ihrem Sport praktisch alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.

Die 27 Jahre alte Motocrosserin war viermal Weltmeisterin, dreimal AMA-Champion in den USA und Europameisterin.

Eine Medaille bei den X-Games fehlt Laier allerdings noch in ihrer Trophäensammlung.

Im vergangenen Jahr in Los Angeles nahm die Motorsportlerin im Enduro einen ersten Anlauf, die Goldmedaille schnappte sich aber die Amerikanerin Maria Forsberg. 737043 (DIASHOW: Stars der X-Games )

In München wird es Laier nun wieder probieren. Dabei will sie sich noch nicht mal von dem Titanbolzen, den sie nach einem Sturz im vergangenen Jahr im Oberschenkel trägt, aufhalten lassen.

Im SPORT1-Interview der Woche spricht Steffi Laier über Motocross und Enduro, die Bedeutung der X-Games und Verletzungen.

SPORT1: Frau Laier, Sie sind vierfache Weltmeisterin, trotzdem in Deutschland relativ unbekannt. Sind die X-Games für Sie und Ihren Sport eine Möglichkeit, sich einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren?

Steffi Laier: Das ist eine schwierige Frage. Bei den X-Games starte ich beim Enduro und normalerweise fahre ich Motocross. Für mich ist das eine Herausforderung, um mich in Zukunft vielleicht in anderen Dingen zu probieren. Aber im Moment fahre ich noch Motocross. Das ist ziemlich schwierig für mich. Aber ich finde es sehr gut, dass die X-Games jetzt global geworden sind. Die X-Games sind ein echter Zuschauer-Magnet. Ich hoffe, dass der Sport dadurch in Deutschland etwas bekannter wird. Aber wie gesagt, Enduro hat mit Motocross nicht so viel zu tun.

SPORT1: Wie schwer fällt die Umstellung? Haben Sie schon viel trainiert?

Laier: Wenn ich ehrlich bin, habe ich noch gar nicht trainiert. In Deutschland gibt es keine Möglichkeit dafür. Ich setze auf meine Erfahrung aus dem Motocross und auf die Erfahrungen, die ich früher beim Enduro gesammelt habe und schaue dann, was dabei rauskommt.

SPORT1: Aufgrund Ihrer Erfolge werden Sie dennoch als Medaillen-Anwärterin gehandelt. Wie sehen Sie Ihre Chancen?

Laier: Das ist schwer einzuschätzen. Letztes Jahr bei den X-Games in Los Angeles hatte ich zunächst die zweitbeste Zeit, dann ist im Rennen einiges schief gelaufen. Wenn ich gut dabei bin, könnte ich eine Medaille erreichen. Wenn etwas schief geht, könnte ich auch den letzten Platz belegen. Das ist für alle die gleiche Situation.

SPORT1: Wen schätzen Sie als die härtesten Konkurrentinnen ein?

Laier: Auf jeden Fall Laia Sanz und Maria Forsberg.

SPORT1: Was macht für Sie ganz allgemein die Faszination beim Motocross aus?

Laier: Natürlich die Geschwindigkeit. Und es ist ein Sport, den nicht jeder einfach so betreiben kann. Es gibt sonst kaum eine Sportart, wo man mit 40 Fahrern auf einer Linie steht und einer versucht am schnellsten die erste Kurve zu erreichen. Das ist ein richtiger Adrenalin-Schock.

SPORT1: Denken Sie, Motocross ist eine Männer-Domäne?

Laier: Es ist besser geworden in letzter Zeit. Aber Motocross wird immer noch als Männersport angesehen. Einfach auch weil es ein harter Sport ist.

SPORT1: Harter Sport ist ein gutes Stichwort. Sie haben sich im vergangenen Jahr den Oberschenkel gebrochen. Ist die Verletzung auskuriert?

Laier: Die Verletzung in dem Sinne ja. Allerdings ging bei der Operation einiges schief. Ich habe einen Titan-Bolzen von der Hüfte bis zum Knie eingesetzt bekommen. Der Bolzen ist ein paar Millimeter zu lang, deshalb habe ich ein paar Einschränkungen. Damit muss ich bis zum Ende des Jahres leben, dann kommt der Bolzen wieder raus.

SPORT1: Sie hatten auch noch einige andere Verletzungen. Als Motocross-Fahrerin muss man hart im Nehmen sein, oder?

Laier: Ja, klar. Ein Weichei darf man nicht sein. Wir Motocross-Fahrer starten auch mit gebrochenen Fingern, abgerissenen Bändern oder angebrochenen Knochen. Das kommt häufiger mal vor. Wenn jemand sehr schmerzempfindlich ist, sollte man sich vielleicht lieber einen anderen Sport aussuchen.

SPORT1: Die X-Games werden immer wieder als die Olympischen Spiele der Action-Sportarten bezeichnet. Sie waren letztes Jahr bereits in Los Angeles dabei. Was macht das besondere aus?

Laier: Das Besondere ist, dass viel, viel mehr Zuschauer erreicht werden, als bei normalen Motocross-Wettbewerben oder Enduro. Was einmalig ist, ist die Kombination aus Supercross und Enduro. Auf der einen Seite muss man schnell sein, auf der anderen muss man eine gute Technik haben. Und man ist als eine von nur zehn Fahrerinnen nominiert. Das ist ein tolles Gefühl, es ist eine Ehre dabei zu sein.

SPORT1: Der Enduro-Wettbewerb wird im Olympiastadion ausgetragen. Ist es auch etwas Besonderes für Sie, in dieser geschichtsträchtigen Arena zu fahren?

Laier: Ja, ich war noch nie in München und habe auch das Olympiastadion noch nicht gesehen. Man hat schon viel davon gehört, vor allem vom Fußball natürlich. Ich freue mich drauf, dass ich da mitfahren darf.

SPORT1: Werden Sie sich auch andere Disziplinen anschauen?

Laier: Wenn die Zeit reicht auf jeden Fall. Allerdings bin ich ziemlich in Zeitdruck in diesem Jahr. Ich komme aus Dänemark direkt nach München, fahre dann kurz nach Hause und mache mich dann direkt weiter auf den Weg zum nächsten WM-Lauf nach Kroatien. Ich weiß noch nicht, ob ich mir da andere Wettbewerbe anschauen kann.