Ein Vorstoß der Bundesregierung für Kosteneinsparungen im Kampf gegen Doping sorgt bei der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) für Unverständnis.

Wie der "Deutschlandfunk" berichtete, beantragte das Bundesinnenministerium (BMI) bereits im Juni 2010 im Europarat, die Zuschüsse der europäischen Regierungen an die Zentrale der Betrugsbekämpfung in Montreal für 2011 einzufrieren.

In dem Schreiben, das dem "Deutschlandfunk" vorliegt, verweist das BMI zur Begründung auf die globale Finanzkrise. Es sei "schwierig, in Deutschland kontinuierlich steigende Beiträge zu vermitteln". Die Bundesregierung empfiehlt der WADA, sich "auf die Einsparung von Kosten zu verpflichten".

WADA-Generaldirektor David Howman bestätigte den deutschen Vorstoß und nannte ihn "beunruhigend". Im Resultat hätten sich die 47 europäischen Regierungen darauf verständigt, ihre Zahlungen an die WADA für das laufende Jahr nur um zwei Prozent zu erhöhen, insgesamt um circa 300.000 US-Dollar (umgerechnet 220.000 Euro).

Das ist die geringste Steigerung in der Geschichte der WADA. 2012 wollen die Europäer ihre Zahlungen ganz einfrieren. Howman sagte dem Deutschlandfunk, das bereits das diesjährige geringe Plus lediglich die Inflation abfange: "Im Wesentlichen heißt das für uns Stillstand. Wir kommen nicht voran. Bei Nullwachstum würden wir schrumpfen, uns zurückbewegen."

Howman wies zudem darauf hin, dass in den letzten sieben Jahren aus dem WADA-Forschungsetat mehr als 32 Millionen Dollar (umgerechnet 23,5 Millionen Euro) nach Europa zurückgeflossen sind - fast genauso viel, wie die Europäer eingezahlt hätten.

Die grüne Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon, die bei einem Informationsgespräch in Montreal auf den Vorgang aufmerksam gemacht worden war, sprach von einem "fatalen politischen Signal für den weltweiten Anti-Dopingkampf". Die Bundesregierung bekenne sich zwar zum sauberen und manipulationsfreien Sport, aber angesichts dieser Aktion "kann man nicht davon ausgehen, dass dieses Bekenntnis ernst gemeint ist".

Von Cramon, Obfrau von Bündnis90/Die Grünen im Sportausschuss, hat die Bundesregierung schriftlich um Aufklärung gebeten. Auch Wada-Generaldirektor Howman erwartet bei seinem Deutschland-Besuch in der kommenden Woche Auskunft zur deutschen Initiative.

Die WADA gilt mit einem Gesamtetat von rund 27 Millionen Dollar als unterfinanziert. Die eine Hälfte steuert das Internationale Olympische Komitee (IOC) bei, die andere die Regierungen. Die Bundesrepublik gehört mit ihrem derzeitigen Jahresbeitrag von 728. 900 Dollar (umgerechnet rund 530.000 Euro) zu den größten Einzahlern. Derselbe Betrag kommt aus Frankreich, Großbritannien und Italien. Mehr zahlen nur die USA, Japan und Kanada.

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