Der Doping-Experte Fritz Sörgel rechnet damit, dass sich die Affäre um den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke zum größten deutschen Dopingskandal seit der Wiedervereinigung entwickelt.

"Wenn da 28 Sportler involviert sind, das Ganze mit Tausenden von Steuer-Euros finanziert wurde und im Herzen des deutschen Sports, einem Olympiastützpunkt, stattfand - das ist schon was", sagte Sörgel im Interview mit "Zeit online".

Der Pharmakologe, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg, erklärte, die in Erfurt vorgenommenen Eigenblutmanipulationen seien schon seit 2003 und nicht erst seit 2011 verboten.

Dies sei mit hoher Sicherheit auch die Auffassung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS, vor dem der Fall durchaus landen könne.

Sörgel glaubt an Doping, "weil im Erfurter Fall aus meiner Sicht bisher keine Tatsachen bekannt wurden, die eine Absicht wirklich ausschließen, und sich doch kein Sportler mit etwas behandeln lässt, von dem er sich nicht einen Vorteil für seine Leistung verspricht. Und bei Blutmanipulation, also einer Blutentnahme und Reinfusion, zählt allein schon der Versuch, um es Doping zu nennen."

Zudem übte Sörgel heftige Kritik am Sportausschuss des Bundestages und insbesondere an Klaus Riegert, Obmann der CDU/CSU-Fraktion in diesem Gremium.

"Man will dort keine Leute haben, die das Thema Doping angehen und eine harte Haltung vertreten. Die Koalition im Sportausschuss hat überhaupt kein Interesse am Anti-Doping-Kampf, das hat man klar gemerkt", sagte Sörgel.

Er war in einer Ausschusssitzung am 21. März als Experte gehört und von Riegert als "Apotheker" abgekanzelt worden.

Die Zurückhaltung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) in diesem Fall mache laut Sörgel deutlich, wie hoch deren finanzielle Anhängigkeit von der Politik sei.

Der Dopingexperte plädierte dafür, dass auch der Profi-Fußball einen höheren Beitrag zum Anti-Doping-Kampf leistet. "Es geht ja nicht um Riesenbeträge. Was sind im Fußball schon zwei Millionen Euro?", sagte Sörgel.

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