In der Diskussion um die umstrittene Studie zur Aufarbeitung des Dopings in Deutschland ist kein Ende in Sicht.

Überraschend wurden am Mittwoch im Sportausschuss des Deutschen Bundestages erneut keine abschließenden Ergebnisse der 2008 in Auftrag gegebenen Arbeit präsentiert.

"Wir bedauern, dass wir keinen Abschlussbericht vorlegen können", sagte Jürgen Fischer, Direktor des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp): "Dafür bitte ich um Entschuldigung." Nach Angaben Fischers würden datenschutzrechtliche Vorgaben eine Veröffentlichung weiter verhindern.

"Wir sind maßlos enttäuscht. Das ist eine Blamage", sagte Martin Gerster, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Auch Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), bedauerte die Verzögerung: "Wir sind über den Verlauf enttäuscht."

Ursprünglich war die vom DOSB initiierte 500.000 Euro teure Studie "Doping in Deutschland" vom BISp 2008 an Forscher aus Münster und Berlin vergeben worden. Doch bereits vor der ersten geplanten Ergebnispräsentation im November hatten sich die beteiligten Parteien den Schwarzen Peter zugeschoben.

Die Berliner Wissenschaftler um Giselher Spitzer hatten ihre Tätigkeit an dem Projekt im März 2012 wegen fehlender Absprachen über die Weiterfinanzierung beendet. Nach gegenseitigen zum Teil schweren Vorwürfen zwischen den Berliner Forschern und dem BISp hatte nur die Münsteraner Gruppe ihre Ergebnisse präsentiert.

Nachdem die Berliner Humboldt-Universität Spitzer einen neuen Arbeitsvertrag gegeben hatte, sollte dieser bis 31. März den Abschlussbericht erstellen.

Spitzer betonte am Mittwoch, dass für ihn keine Gründe gegen eine Veröffentlichung gesprochen hätten. "Wir haben den Abschlussbericht frist- und formgerecht eingereicht", erklärte er, "die Dinge müssen auf den Tisch."

Viola von Cramon, sportpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, ging einen Schritt weiter: "Vielleicht sind die Ergebnisse so brisant, dass die Veröffentlichung so weit nach hinten gezogen werden soll, dass wir nicht mehr darüber diskutieren können."

Spitzer und sein Team hatten bei einer Teilpräsentation 2011 für Aufsehen gesorgt, als sie Westdeutschland für die Jahre 1970 bis 1990 ein "systemisches Doping" attestierten und Ex-NOK-Chef Willi Daume sogar "billigende Mitwisserschaft" vorwarfen.

Die Wissenschaftler behaupteten zudem, dass drei Fußball-Nationalspieler bei der WM 1966 das verbotene Mittel Ephedrin eingenommen hätten und damit gedopt gewesen seien.