Christof Wandratsch rechnet die Zeit momentan nicht in Stunden oder Minuten, sondern in Grad.

Der Langstreckenschwimmer wartet darauf, dass die Temperatur im Bodensee endlich auch schon in den frühen Morgenstunden die 20-Grad-Marke knackt und er mit einem ungewöhnlichen Rekordversuch beginnen kann.

Der 46-Jährige will den Bodensee als erster Sportler in rund 20 Stunden von Bodman-Ludwigshafen nach Bregenz durchschwimmen - ohne schützenden Neoprenanzug. Starten will er nachts um 2.00 Uhr.

"Mich reizt die Herausforderung", sagt der gebürtige Franke der "FAZ". Ein Masochist sei er nicht.

Dabei ist der Weg durch das Binnengewässer kein besonders angenehmer: "Man weiß nie genau, wie sich die Bedingungen entwickeln. Das ist ein bisschen wie beim Bergsteigen."

Entsprechend ambitioniert geht Wandratsch das Projekt an: Bereits im Winter quälte er sich im Training durch 2 Grad kaltes Wasser ("Es tut weh. Wie 1000 Nadelstiche auf der Haut"), um einen ausreichenden Schutz zu haben, futterte sich der Lehrer mit Nudeln und Süßigkeiten 20 zusätzliche Kilo Körpergewicht an.

Nach ähnlichen anstrengenden Abenteuern wie der Durchquerung des Ärmelkanals, des Fehmarnbelts und der Straße von Gibraltar wäre die Strecke von 64 Kilometer im Bodensee ein Rekord.

Zwar durchschwamm Kirsten Seidel das Gewässer im vergangenen Jahr bereits ohne Neoprenanzug, weil sich die Extremsportlerin wohl mehrmals kurz am Begleitungsboot festhielt, wird die Durchquerung in Fachkreisen aber nicht anerkannt.

Rund ein Grad muss Wandratsch bis zu seinem Versuch noch warten, nachts kühlt der Bodensee derzeit noch auf knapp unter 19 Grad ab.

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