Der Dopingopfer-Hilfe-Verein (DOH) hat den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dessen Präsidenten Thomas Bach einen Tag vor der Sondersitzung des Sportausschusses im Deutschen Bundestag scharf kritisiert.

Der DOSB würde die Ergebnisse der Studie zum West-Doping auf unseriöse Art herunterspielen und die eigene Verantwortung darin ausschlagen.

Ferner sei es nicht hinnehmbar, dass Bach, der am 10. September in Buenos Aires zum neuen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt werden will, "öffentlichen Fragen nach seiner Verantwortung fortgesetzt ausweicht und sich der Diskussion entzieht".

Der DOH bittet den Ethikrat des IOC ausdrücklich, die öffentlich im Raum stehenden Fragen zu Thomas Bachs aktueller IOC-Präsidentschaftskandidatur zu prüfen: "Wer den Weltsport führen will, muss für Glaubwürdigkeit sorgen", hieß es.

Der DOH und seine Vorsitzende Ines Geipel sprachen sich für eine Fortsetzung der Studie zu Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus und forderten den DOSB und das Bundesinnenministerium (BMI) auf, den Forschungsauftrag für die Zeit von 1990 bis heute erneut und umgehend auszuschreiben.

"Nach wie vor gibt es erschreckende personelle Kontinuitäten an Doping-Trainern, Medizinern und Wissenschaftlern, die sich trotz ihrer festgestellten Doping-Täterschaft im vereinten deutschen Sport bestens dotiert und sicher einrichten konnten, während die Geschädigten von damals aus der Sport-Familie ausgeschlossen bleiben", sagte Ines Geipel.

Der DOH betonte, dass es keine Wiederholung der deutschen Dopingpolitik und keine weiteren Chemieopfer im Sport geben dürfe. Das wiederum würde deutlich mehr Mittel in der Dopingprävention nötig machen.

Der Dopingopfer-Hilfe-Verein DOH vertritt rund 600 Doping-Geschädigte vorwiegend aus dem ehemaligen DDR-Sport und vergibt mit dem Heidi-Krieger-Preis die einzige Auszeichnung im deutschen Sport für den Kampf gegen Doping-Missbrauch.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel