Nach heftiger Kritik an der unvollendeten Studie über Doping in Deutschland soll diese komplettiert werden.

"Es wird eine Fortsetzung für die Jahre 1990 bis 2007 geben", sagte Hans-Peter Krämer, Interimspräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), am Mittwoch.

Er ist sich darin einig mit Amtsvorgänger Thomas Bach, der den Anti-Doping-Kämpfern beim Wechsel auf den Präsidentenstuhl des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zugesagt hatte, die Studie werde vollendet.

"Die Entscheidung ist im Grundsatz gefallen, die Mittel sind vorhanden, soweit ich weiß", sagt Krämer. Er macht jedoch deutlich: "Es wird eine neue Ausschreibung geben."

Die 500.000 Euro teure Studie über "Doping in Deutschland von 1950 bis heute" hatte das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) bei Forschern in Berlin und Münster in Auftrag gegeben.

Die Berliner Wissenschaftler um Giselher Spitzer hatten bei einer Teilpräsentation 2011 für Aufsehen gesorgt, als sie Westdeutschland für die Jahre 1970 bis 1990 ein "systemisches Doping" attestierten und Ex-NOK-Chef Willi Daume "billigende Mitwisserschaft."

Spitzer machte vor Wochen deutlich, die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) habe der Arbeitsgruppe bei ihren Recherchen wichtiges Material vorenthalten. "Wir haben Kopien von Unterlagen angefordert, die wir schon 2010 als Vorarbeit für die dritte Phase eingesehen hatten, die Zeit nach 1990.

Bis Ende März 2012, also solange unsere Arbeitsgruppe existierte, haben wir sie nicht erhalten."

Genau diese Unterlagen seien aber "grundlegend wichtig" für die Kontrollpraxis in der neuen, größeren Bundesrepublik nach 1990 und vor Gründung der Welt-Anti-Dopingagentur (WADA): "Für mich ist das Vernebelung."

Das BISp hatte Ende August die Autoren der Studie kritisiert und die wissenschaftliche Aussagekraft der Ergebnisse teilweise infrage gestellt. Zudem hatte sich die Behörde gegen Spitzers Vorwurf der Aktenvernichtung gewehrt.

"Es liegen keinerlei Anhaltspunkte vor, dass das BISp gegen die Regelungen zur Aussonderung/Vernichtung von Akten verstoßen hat."

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