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Danica Patrick gewann 2008 in Motegi als erste Frau ein Indy-Car-Rennen © getty

Zum 100. Mal steigt am Sonntag das berühmte Indy 500. Danica Patrick und Helio Castroneves haben beim Jubiläum denselben Traum.

München/Indianapolis - Milchmädchen Danica Patrick und Spiderman Helio Castroneves haben denselben Traum.

Zum 100. Jubiläum des "Nudeltopfs" wäre der Sieg bei den 500 Meilen von Indianapolis am Sonntag für beide etwas ganz Besonderes. US-Girl Patrick (US-Team plant mit Frauen-Power) will als erste Frau überhaupt das Traditionsrennen gewinnen, der Brasilianer Castroneves war vor fünf Wochen in Gedanken noch eher im Gefängnis als bei einem dritten Indy-Triumph.

Vorwurf der Steuerhinterziehung

"Ich habe mir während des Prozesses oft gewünscht, wieder hier sein zu dürfen. Indianapolis ist ein ganz besonderer Platz", sagte Castroneves, der erst am 17. April von einem Gericht in Miami vom Vorwurf der Steuerhinterziehung freigesprochen wurde.

Weil er zwischen 1999 und 2004 mehr als 5,5 Millionen Dollar nicht richtig versteuert haben sollte, drohten Castroneves sechs Jahre Haft.

"Dieser Prozess hat meine Lebenseinstellung auf jeden Fall verändert", sagte der Südamerikaner, der während der Verhandlung von seinem Penske-Team freigestellt und durch den Australier Will Power ersetzt worden war.

Triumphale Rückkehr

Doch schon wenige Tage nach dem Freispruch kehrte er ins Auto zurück und fuhr fast ohne Training beim Indy-Car-Rennen in Long Beach auf Platz sieben.

Es folgten ein zweiter Platz in Kansas und die triumphale Rückkehr nach Indianapolis, wo der Brasilianer durch seine beiden Siege und den zweiten Platz bei den ersten drei Starts (2001 bis 2003) bereits als bester Neuling aller Zeiten einen Platz in den Geschichtsbüchern hat.

Am Tag vor seinem 34. Geburtstag fuhr er vor seinem australischen Teamkollegen Ryan Briscoe und dem 2007er-Sieger Dario Franchitti aus Schottland seine insgesamt dritte Pole Position heraus.

"Für mich ist ein Traum wahr geworden. Rennfahren ist mein Leben, und ich genieße es jetzt noch mehr", sagte Castroneves, der nach Siegen wie Spiderman am Begrenzungszaun herumklettert: "Ich habe aus dem Prozess sogar etwas gelernt. Ich bin mental viel stärker und habe jetzt ein dickeres Fell."

Mehr Gelassenheit

Mehr Gelassenheit soll für Danica Patrick 69501(Diashow: Sex-Appeal in der Steilkurve) der Schlüssel zum Erfolg sein. Die 27-Jährige, die als Zehnte in der Startaufstellung auch ihren fünften Indy-Start aus den Top 10 beginnt, will in den entscheidenden Momenten ihr Temperament zügeln.

"Ich habe aus der Vergangenheit gelernt. Es gibt die emotionale Danica noch, aber nicht an jedem Wochenende", sagte Patrick: "Ich habe damit viele Leute verschreckt. Jetzt macht es sogar Spaß, entspannter zu sein."

Im vorigen Jahr war die nur 1,67 Meter große Power-Frau, die wenige Wochen vor den Indy 500 in Japan als erste Frau ein IRL-Rennen gewonnen hatte, in der Boxengasse mit Briscoe zusammengekracht und wollte danach dem Konkurrenten an die Gurgel gehen.

Längst ein Superstar

Nur der beherzte Eingriff eines Streckenpostens verhinderte Schlimmeres.

In den USA ist Patrick längst ein Superstar.

Sie macht bei Talkmastern wie David Letterman oder Jay Leno eine ebenso gute Figur wie auf Bikini-Fotos in Sports Illustrated. Im Moment wirbt sie landesweit auf Plakaten dafür, dass junge Amerikaner mehr Milch trinken sollen.

Vielleicht geht am Sonntag die Milchmädchen-Rechnung auf. Schließlich verspritzen Indy-Sieger traditionell keinen Champagner, sondern nehmen einen großen Schluck aus einer Milchflasche.

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