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Toni Mang wurde 1981 in der 250-ccm- und 350-ccm-Klasse Weltmeister © imago

Der fünfmalige Weltmeister hat eine bewegte Karriere hinter sich. Vom Biken und Rumtüfteln kann er auch mit 60 nicht lassen.

Inning - Am Dienstag wird das Multitalent 60, das Ende seiner Karriere als Motorradfahrer ist schon 21 Jahre her - doch "der Toni" ist immer noch ein Idol. (Alle Motorrad-News)

Und ein ausgesprochen volksnahes noch dazu. Den fremden Urlaubern öffnet er immer. Ein kurzes Gespräch, ein gemeinsames Foto, dann ziehen sie glücklich weiter.

Wenn der Ur-Bayer seinen 60. Ehrentag feiert, blickt er auf ein bewegtes Leben zurück.

Als Kind spielte er in Märchenfilmen mit, 1959 in den Bremer Stadtmusikanten hatte er sogar eine Hauptrolle. Mit 16 wurde er Junioren-Europameister im Skibob, ehe er endgültig dem Motorradfahren verfiel. Es folgte eine der erfolgreichsten Zweirad-Karrieren der Geschichte.

Tüftler aus Leidenschaft

Heute bildet Mang Motorrad-Talente aus und steht mit Schützling Marcel Schrötter vor der Rückkehr in die WM.

Zudem ist er ein mehr als begabter Handwerker. Er hat ein Patent auf Knopfschoner und tüftelt auch sonst fleißig in seiner Werkstatt.

"Fast den ganzen Tag stehe ich dort", sagt Mang. "Neulich habe ich eine pneumatische Steueranlage für eine Laserfirma gebaut und einen Lackierautomat für eine Holzfirma."

Zu Hause auf dem Teppich geblieben

Darauf ist er fast genauso stolz wie auf seine sportlichen Erfolge. Denn Toni Mang ist immer Toni Mang geblieben. "Ich bin sehr heimatverbunden", berichtet er: "Daheim ist es eben doch am schönsten."

Daheim, das ist für Toni Mang seit jeher Inning. Eine kleine Gemeinde im Landkreis Starnberg, zwischen Ammer- und Wörthersee.

Dort fand er schon zu aktiven Zeiten stets seine innere Ruhe. "Man muss immer auf dem Teppich bleiben", sagt er. "Ich wusste immer, woher ich komme und wo ich hingehöre. Vielleicht würden die Menschen heute sonst anders über mich denken."

Dann würde niemand plötzlich in Inning an der Tür klingeln.

Ältester Weltmeister aller Zeiten

Ins öffentliche Bewusstsein gelangt ist er freilich durch seine fünf WM-Titel. Der schönste war für ihn der 250er-Titel 1987.

Jener 13. September, als er sich in Jarama bei Madrid schon zwei Rennen vor Saisonende zum Weltmeister krönte, wird ihm immer unvergessen bleiben: "In meinem Alter war das ja nicht mehr normal, entsprechend haben wir nachher im Hotel auch gefeiert."

Mit den 38 Jahren von damals ist Deutschlands Sportler des Jahres 1981 bis heute der älteste Weltmeister aller Zeiten.

Karriere-Ende auf dem Krankenbett

Die Chance zum Aufhören hat er damals verpasst. Sponsoren überredeten ihn, ein Jahr weiterzufahren.

Und so endete seine Karriere statt mit dem WM-Triumph mit einem schweren Unfall am 17. Juli 1988 in Rijeka.

"Damals habe ich mit einem mehrfachen Schlüsselbeinbruch zum ersten Mal in meiner Karriere im Krankenhaus gelegen", erzählt Mang: "Und noch auf dem Krankenbett habe ich mich entschlossen, meine Karriere zu beenden."

Rentner mit Benzin im Blut

Dass er es nicht verlernt hat, zeigt Mang acht Mal im Jahr, wenn er bei den Kursen seiner Motorradschule auf die Maschine steigt.

600 bis 700 km fährt er dann in zwei oder drei Tagen, nachher schmerzt ihm allenfalls der Rücken ein wenig.

Und nicht nur deshalb weiß er, dass die 60 nur eine Zahl ist: "Solange ich dort immer noch der Schnellste bin, kann ich nicht in Rente gehen."

"Muss nicht mehr um die Welt reisen"

Den Ehrentag feiert er am Dienstag allein mit seiner Frau. Und danach noch drei weitere Mal. Mit Freunden, Geschäftspartnern und der Familie.

Ein paar Weggefährten aus der Motorrad-Zeit sind dabei. In erster Linie ist Mang aber Privatmensch.

Selbst wenn IDM-Champion Schrötter wirklich in die WM aufrückt, wird er ihn nicht zu jedem Rennen begleiten:

"Ich muss mich nicht mehr in Flugzeuge quetschen und um die Welt reisen."

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