vergrößernverkleinern
Timo Scheider startete im Jahr 2000 seine DTM-Karriere bei Opel © getty

Im Sport1.de-Interview spricht Audi-Pilot Timo Scheider über das Saisonfinale in Hockenheim und die Kräfteverhältnisse in der DTM.

Von Sebastian Binder

München - Die Motorsportwelt blickt gespannt nach Hockenheim. Dort entscheidet sich am Sonntag die DTM-Meisterschaft (Qualifying, Sa., ab 14 Uhr LIVE).

Nur noch Mercedes-Fahrer Gary Paffett und Vorjahres-Champion Timo Scheider kämpfen um den Titel.

Der Audi-Pilot gilt als Favorit, hat auf seinen letzten verbliebenen Rivalen einen Vorsprung von sieben Punkten.

Doch Scheider weiß, dass das "in keinster Weise beruhigend ist." Das Audi-Debakel in Dijon ist ihm noch in Erinnerung.

Im Interview der Woche mit Sport1.de spricht Timo Scheider über den Saisonhöhepunkt in Hockenheim, die Schwierigkeiten einer Titelverteidigung und das ausgeglichene Kräfteverhältnis zwischen Audi und Mercedes.

Sport1.de: Herr Scheider, wie groß ist die Anspannung vor dem Finale in Hockenheim?

Timo Scheider: Natürlich ist die Anspannung da. Aber es ist angenehmer als im letzten Jahr. Da standen wir vor dem ersten großen Titelgewinn. Das war damals die größte Herausforderung, die ich bis dato in meinem Motorsportleben hatte. In diesem Jahr bin ich etwas weniger nervös. Ich bin fokussiert und denke natürlich jeden Tag über dieses Finale nach. Man wird auch ständig damit konfrontiert. Doch ich fühle mich momentan sehr gut, bin optimal vorbereitet und freue mich jetzt auf das Rennen.

Sport1.de: Was ist schwieriger: Den Titel das erste Mal zu holen oder ihn zu verteidigen?

Scheider: Es ist schwieriger, den Titel zu verteidigen, keine Frage. Das ist sowieso eine ganz besondere Situation, dass wir es wieder geschafft haben, Titelkandidat zu sein. Generell ist es sehr viel komplizierter, die Performance aus dem letzten Jahr zu wiederholen. Der zweite Titel wäre somit auch eine extreme Bestätigung dessen, was man im Vorjahr geleistet hat. Es wäre eine schöne Geschichte diesen Triumph zu wiederholen. Quasi als Nachfolger von Bernd Schneider, der in den Jahren 2000 und 2001 den Titel verteidigen konnte.

Sport1.de: Wie werden Sie das Rennen angehen? Sind Sie eher darauf aus, die nötigen Punkte für den Gewinn der Meisterschaft zu holen, oder fahren Sie auf Sieg?

Scheider: Mein Ziel ist es, das Rennen zu gewinnen. Wir sind auch in Dijon volles Risiko gegangen, sind dafür leider im Qualifying bestraft worden. Wir müssen jetzt einen sauberen Job machen. Wir wollen im Qualifying soweit wie möglich vorne stehen, um für das Rennen eine gute Ausgangsposition zu haben. Im Rennen müssen wir die Performance dann situationsbedingt anpassen. Wir müssen auch sehen, was Gary Paffett macht. Dann kommen natürlich eine Menge Rechnereien ins Spiel. Aber egal, wie es zwischen Paffett und mir ausgeht, mein Ziel ist es, das Rennen zu gewinnen. Das wäre das Beste.

Sport1.de: Paffett hat vor dem letzten Rennen sieben Punkte Rückstand und ein Zusatzgewicht von zehn Kilo im Auto. Ist diese Ausgangsposition für Sie eher beruhigend oder gefährlich?

Scheider: Beruhigend ist es in keinster Weise. Wir wissen, wie stark der Mercedes sein kann. Gerade in der DTM kann man sich niemals sicher sein. Die zehn Kilo Zusatzgewicht sind eine kleine Hilfe, aber unterm Strich muss man sicherlich aufpassen. In Zandvoort zum Beispiel dachten wir auch, wir hätten einen Vorteil. Dann war Mercedes schneller als wir und hat das Rennen gewonnen. Wir müssen in Hockenheim alles geben und einen guten Job machen. Das Niveau ist sehr hoch.

Sport1.de: Bei der 107219Saisonpremiere in Hockenheim gab es einen Vierfach-Triumph für Audi. Denken Sie, die Kräfteverhältnisse haben sich mittlerweile geändert?

Scheider: Der Entwicklungsstopp Mitte August kam zum richtigen Zeitpunkt. Beide Hersteller hatten ein starkes Niveau und konnten mit dem "Einfrieren" sehr gut leben. Es gab ja auch ein paar Teile, die man noch verbauen durfte. Das hat bis jetzt ganz gut funktioniert. Es ist schwer zu sagen, wer im Moment tatsächlich einen Performance-Vorteil hat. Es sieht nach einem sehr ausgeglichenen Feld aus. Ich glaube allerdings, dass Hockenheim vom Mercedes- zum Audi-Land geworden ist, wenn man die letzten Rennen betrachtet. Aber natürlich ist das noch keine Sieg-Garantie.

Sport1.de: Es ist auch in dieser Saison viel über Stallorder diskutiert worden. Wie sieht die offizielle Linie von Audi für Hockenheim aus? Wird jeder Pilot sein Rennen fahren dürfen?

Scheider: Es wird von Audi-Seite keinerlei Anweisungen geben, die gab es auch bis jetzt noch nicht. Natürlich wird man gegen die eigenen Teamkollegen nicht so hart fahren wie gegen einen Mercedes. Das ist legitim und auch ganz normal. Das haben wir auch bei Mercedes in Dijon gesehen. Bruno Spengler und Ralf Schumacher haben mich schon runtergebremst. Damit muss man eben leben. Wir haben hart gefightet, und natürlich gibt es dabei auch Lackaustausch. Ich denke, wir werden ein spannendes Finale erleben. Und die Vorzeichen sprechen für Audi.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews mit Timo ScheiderZurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel