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Die Nordschleife auf dem Nürnurgring ist 1927 eröffnet worden © imago

Der tödliche Unfall von Leo Löwenstein stellt die Sicherheit der Nordschleife mal wieder in Frage. Andere Rennfahrer warnen aber vor Panikmache.

Nürburgring/Hockenheim - Nach dem schrecklichen Feuerunfall beim dritten Lauf zur deutschen Langstrecken-Meisterschaft auf dem Nürburgring könnten die Tage der legendären Nordschleife gezählt sein.

Für den 43 Jahre alten Leo Löwenstein aus dem südhessischen Laudenbach kam am Streckenabschnitt "Bergwerk", wo Niki Lauda vor fast 34 Jahren (1. August 1976) den wohl legendärsten Unfall der Formel-1-Geschichte mit schwersten Verbrennungen wie durch ein Wunder überlebt hatte, jede Hilfe zu spät.

Rauchgasvergiftung als Todesursache

Aus Respekt vor den Angehörigen - Löwenstein hinterlässt Ehefrau und vier Kinder - gab der Veranstalter eine Rauchgasvergiftung als Todesursache an.

Leo Löwenstein, Besitzer eines Weingutes in seiner Heimatgemeinde, galt durch zahlreiche Teilnahmen an verschiedenen Langstreckenrennen als routinierter Fahrer und Kenner der 24,369 Kilometer langen Nordschleife (mit Grand-Prix-Kurs).

Kollission mit zwei anderen Wagen

Zu dem fatalen Unfall war es in der 22. Runde gekommen, als Löwenstein mit seinem Aston Martin GT4 am Streckenabschnitt Bergwerk mit einem BMW- und einem Lexus-Fahrer kollidierte.

Dabei wurde der Aston Martin hoch in die Luft katapultiert, landete rechts auf einer Leitplanke und riss anschließend einen schützenden FIA-Zaun, hinter dem Streckenposten standen, auf einer Länge von rund 80 Metern nieder.

Diesen Unfallhergang schilderte der stellvertretende Rennleiter Hans Jürgen Hilgeland.

Löwenstein verstirbt an der Unfallstelle

Beim Aufprall auf die Leitplanke wurde das Heck des Aston Martin schwer beschädigt und ging in Flammen auf. Der Veranstalter leitete umgehend Rettungsmaßnahmen ein.

Dennoch starb der 43-jährige Hesse, der sich nicht selbstständig aus dem Fahrzeug befreien konnte, noch an der Unfallstelle.

Aston Martin hat für Montag eine Mitteilung angekündigt. Nach einer genauen Untersuchung des Unfallfahrzeugs will der britische Hersteller von Luxus-Sportwagen erklären, wie es passieren konnte, dass Löwensteins Rennwagen in Brand geraten konnte.

Letzter Todesfall 2001

Löwenstein ist das insgesamt siebte Todesopfer in der seit 1977 ausgetragenen deutschen Langstrecken-Meisterschaft (VLN).

Der letzte Unfall mit Todesfolge ereignete sich vor beinahe neun Jahren. Am 4. August 2001 erlag der Essener Rennfahrer Ulrich Richter nach einer Kollision seinen schweren inneren Verletzungen - ebenfalls auf der Nordschleife.

Sofortiger Abbruch

Das Rennen am Samstag wurde sofort nach dem Unfall abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt waren etwa dreieinhalb Stunden der vorgesehenen Renndauer von vier Stunden zurückgelegt. Die Veranstaltung wurde auch nicht mehr neu gestartet.

Chris Mamerow und Wolf Henzler wurden in einem werksunterstützten Porsche 911 GT3-R offiziell als Sieger erklärt.

Schleife nicht mehr zeitgemäß

Die berühmte Nordschleife stand wegen ähnlicher Unfälle immer wieder massiv in der Kritik.

Die 1927 eröffnete Berg- und Talbahn, vom dreimaligen Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart einst "Grüne Hölle" genannt, ist in die Jahre gekommen und längst nicht mehr zeitgemäß.

Fahrer brauchen Schulung

Aus Angst vor einer sofortigen Schließung hielten sich Experten und frühere Rennfahrer mit Schuldzuweisungen zunächst zurück. Doch Tourenwagen-König Klaus Ludwig meinte bereits vielsagend: "Die alte Nordschleife birgt natürlich gewisse Risiken. "

Den Fahrer nahm der 60-Jährige ausdrücklich in Schutz: "Es werden keine unerfahrenen Fahrer mehr zu solchen Rennen zugelassen, im Gegenteil: Sie müssen sogar eine spezielle Nordschleifen-Schulung, die vorgeschrieben ist, absolvieren", sagte Ludwig.

Keine Panikreaktion

Ludwig räumte aber ein: "Sie ist für jeden Rennfahrer, egal ob Amateur oder Profi, nach wie vor eine große Herausforderung."

Laut Hans-Joachim Stuck (59), am Wochenende selbst einer der Teilnehmer des Langstreckenrennens, sei Motorsport immer mit Gefahr verbunden: "In diesem Fall sind viele unglückliche Umstände zusammengekommen."

Stuck und Ludwig warnten allerdings vor einer Panikreaktion: "Man darf jetzt nicht gleich wieder die Nordschleife infrage stellen."

Bereits vor dem tragischen Unglück hatte Audi entschieden, die von den DTM-Teams Abt Sportsline (Kempten) und Phoenix Racing (Meuspath) eingesetzten Autos wegen mehrerer Reifenschäden aus Sicherheitsgründen aus dem Rennen zu nehmen.

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