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Danica Patrick fährt seit 2005 in der US-IndyCar-Serie © imago

Der IndyCar-Star lehnt einen Einstieg in die Königsklasse ab - auch weil sie in Europas Rennszene Sexismus ausgemacht hat.

Von Martin Hoffmann

München - Das Traditionsrennen schlechthin aus den USA hat schon im Vorfeld einen Rekord zu vermelden.

Vier Frauen nehmen am Sonntag am Indy 500, den 500 Meilen von Indianapolis teil - eine Höchstmarke.

Die berühmteste unter ihnen: Danica Patrick, der größte weibliche Star des Rennsports, um den es auch immer wieder Gerüchte über einen Formel-1-Einstieg gibt69501 (DIASHOW: Patricks beste Bilder).

Warum der eher nichts für sie ist, hat die auch im NASCAR-Bereich aktive 28-Jährige im Vorfeld der Indy 500 verraten - und dabei auch eine gewisse Rückständigkeit in Europa und der hiesigen Rennsportszene diagnostiziert(Alle Motorsport-News) .

"Noch gekocht und geputzt"

"Von meinem Gefühl her, war dort alles mehr von der alten Schule", erinnert sie sich in der "Sunday Times" an ihre frühere Wahlheimat, die Formel-1-Brutstätte England.

"Die Frauen haben noch gekocht und geputzt", meint sie: "Ich glaube, die Frauenbewegung ist hier (in Amerika, d. Red.) ein wenig schneller über die Bühne gegangen."

Als Beleg für ihre schlechten Erfahrungen führt sie eine Anekdote aus ihrer Zeit in einer britischen Nachwuchsserie an.

Sexistischer Teambesitzer

"Ich weiß noch, dass ich einmal die Schnellste im Training war und einer der Teambesitzer es nicht glauben konnte."

Er habe die männlichen Fahrer sinngemäß angeschnauzt: "'Sie ist die Schnellste - was macht ihr nur? Raus da, los!' Als ob es nicht in Ordnung wäre, langsamer zu sein als ich."

Der Teambesitzer sei einer von der Sorte gewesen, "der seiner Frau noch sagt, dass sie ihm Bier holen soll".

Zu wenig Spaß

Die Macho-Kultur ist augenscheinlich ein Grund, warum sie ihrem alten Freund und Kollegen Jenson Button nie in die Königsklasse gefolgt ist.

Sie hat aber noch ein anderes Problem mit der Formel 1: "Spaß zu haben ist mir sehr wichtig - und ich glaube, die ganze Umgebung der Formel 1 ist ein kleines bisschen weniger freundlich als im US-Rennsport."

Die Königsklasse nimmt sich nach ihrem Geschmack zu ernst: "In der Formel 1 hängen die Fahrer nicht zusammen rum."

"Ich sage niemals nie"

Fahrer wie der von der Formel 1 in die IndyCar-Serie gewechselte Japaner Takuma Sato würden schwärmen, "dass alles hier so nett ist".

Und sie hätten recht: "Jeder hier ist so ruhig, entspannt und freundlich."

Dass sie es eines Tages doch einmal wagen könnte, als erste Frau seit der glücklosen Giovanna Amati 1992 die Macho-Domäne Formel 1 aufzubrechen, schließt Patrick dann aber doch nicht aus.

"Ich werde niemals nie sagen", stellt sie klar. Aber: "Es müsste schon eine wirklich einzigartige Gelegenheit sein, um mich von dem abzubringen, was ich im Moment tue."

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